"Der rote Faden" Teil 2

06.07.2005
Lebenserinnerungen von Kurwenal (Harald Kraneis)
Zum Nachlesen:
Teil 1
Kinderfreundschaften hatte ich eigentlich nicht und meine Eltern
hielten mich auch immer davon fern. Und 1937 musste ich dann, eben
6 geworden, zum Schulunterricht. Zunächst noch in Hamburg und dann
ab 1939 in Lübeck.
Da sowohl mein Bruder als auch ich Linkshänder sind, hatten wir
große Schwierigkeiten, mit der rechten Hand zu schreiben, wie es
von unseren Lehrern verlangt wurde. Die Folge war, dass wir beide
fast ein Vierteljahr lang gestottert haben. Genutzt hat dieser
Drill aufs Rechtsschreiben allerdings nichts, da alle
Haupttätigkeiten bei mir immer noch auf der linken Hand liegen.
Schreiben kann ich jedoch mit beiden Händen.
1939 zogen meine Eltern dann, wie bereits angedeutet, nach Lübeck,
da mein Vater hierhin versetzt wurde. Von dem Zauber der alten
Stadt und den Kirchen war ich schon als Kind angetan und diese
Liebe hat sich bis heute erhalten. Es war eine große Umstellung für
meine Eltern, von einer Großstadt in eine Provinzstadt zu
kommen.
Mein Vater hatte zwar auch ein Angebot bekommen, nach Schneidemühl
in Pommern versetzt zu werden, aber meine Mutter wollte nicht so
weit von Hamburg weg. Diese Entscheidung ersparte uns 1945 die
Flucht.
Interessant an Lübeck war, dass, wenn man in die Innenstadt
einkaufen ging, man sich fein kleidete, während man dieses in
Hamburg in der Art nicht tat.
Noch ein Erlebnis aus meiner Jungschulzeit möchte ich erzählen:
Zunächst waren wir in der Volksschule, bis wir später Mittelschüler
wurden. Wir waren schon immer recht zappelig. Wenn der
Unterrichtsstoff für mich mal wieder langweilig war, zog ich meine
kurze Hose im Unterricht aus und saß dann in Turnhose da. Ich wurde
natürlich vom Lehrer ermahnt und mir wurden bei Wiederholung
Stockschläge angedroht. Es dauert gar nicht lange und ich begann
das Spiel von vorne. Und als ich nun so in der Turnhose da saß,
musste ich zum Lehrer an die Tafel kommen und bekam fünf Schläge
mit dem Rohrstock. Es hat richtig wehgetan und ich sagte zu dem
Lehrer: "Schön, jetzt wird es jedenfalls mal alles
durchblutet.“ Diese Schlagfertigkeit hat mir das Leben
allerdings im Laufe der Jahre abgewöhnt. Erst jetzt im Rentenalter
kommt sie langsam zurück.
Hier geht es zum
dritten Teil
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Quelle: Kurwenal - Seniorkom Hobby Redakteur












Christina, 11.07.2005 15:40
Danke...
dass du uns an deinen Erinnerungen teilhaben lässt..
ich finde das wunderbar..
lg c