Poetenklause

Karikatur-Zeichnung

Man schreibt mal dies, mal das – und manchmal gefällt den Leuten was. Da reicht es ihnen dann nicht, den Matscho zu lesen. Sie würden gern wissen, wie eine Geschichte entsteht.

Lasset uns also einen ehrfürchtigen Blick in die Hexenküche des Meisters werfen und zunächst einmal feststellen: Das Wichtigste an einer Matscho-Geschichte ist, dass sich der Autor entschließt, eine solche zu schreiben. Dieser Entschluss fällt freilich nicht immer leicht, denn unsereins hat ja auch noch andere Sachen zu tun. Unsereins muss Liebesbriefe schreiben für die Freunde oder zündende Werbeslogans verfassen, z.B. den für einen bekannten Fleischlaberl-Großfabrikanten, welcher da lautet: Sachtes Schnuppern am Big Dräc zaubert flugs den Hunger weg!

Ist aber doch einmal die Entscheidung gefallen, ein neues Stück Alt-Ottakringer Heimatdichtung vom Stapel zu lassen, stellt sich auch schon die nächste hochbrisante Frage, und zwar nach dem: WO? Die Antwort darauf ist völlig klar: überall, nur nicht zu Hause. Dort kann nämlich keine geistige Befruchtung stattfinden, weil meine lästigen Kinder dauernd dabei zuschauen möchten, wie mich die Muse küsst. Nur ein einziges Mal – es war jener denkwürdige Tag, an dem meine Familie ohne mich, aber mit der Bahn, in die Energieferien gefahren ist – habe ich eine Matscho-Geschichte daheim geschrieben. Da war dann das Manuskript allerdings voller Rußflecken, weil ich die brave Lokomotive aus lauter Dankbarkeit von oben bis unten gestreichelt habe.

Bevorzugt bringe ich meine Erlebnisse im ‚Cafe Hirnbrause’ zu Papier, und zwar von 9 bis 11, es geht aber auch zwischen 15 und 18 Uhr beim Heurigen ‚Zum grünen Lamperl’. Zur Zeit fällt die ‚Hirnbrause’ leider wegen sexueller Belästigung aus, weil nämlich die Kellnerin einen dermaßen knappen Minirock trägt, dass sich kein Mensch konzentrieren kann. Bleibt also nur das ‚Lamperl’. Dort sitze ich, still verborgen in der Poetenklause – die ist gleich rechts hinter der Schank, falls Sie mich einmal besuchen möchten – kaue am Bleistift, kann auch ein Schopfbraten sein, dope mich mit einem Gspritzten, können auch zwei sein, und zerfleische mich förmlich auf der Suche nach einem geeigneten Thema.

Gern verwöhne ich die VOR-Leser mit einer schönen, rundherum erfreulichen Erzählung. Bei "schön“ und "erfreulich“ fällt mir klarerweise wie von selbst meine Göttergattin ein, die liebe Frau Matscho. Da könnte ich gleich mehrere Geschichten über unser trautes Heim, Glück allein, schreiben. Beispielsweise darüber, dass es wegen der Haushaltsarbeit niemals Streit gibt, weil diese ganz gerecht aufgeteilt ist: 50 Prozent mache ich, 50 Prozent unsere Haushälterin.

Naheliegend wäre es auch, ein Loblied auf die kostbaren Matscho-Kinder zu singen, welche mir meine Frau geschenkt hat – gekauft hätte ich die beiden ohnehin nicht. Oder ich könnte das schwere Los meines vom Schicksal geprügelten Freundes Emil beweinen. Was der für ein Pech hat im Leben! Gott sei Dank ist der arme Teufel nicht als Medikament zur Welt gekommen, sonst wäre er garantiert ein Zapferl geworden.

Egal aber, womit ich auch beginne – schon bald geht meiner Phantasie der Faden aus, und die Ideen werden schütter. Das ist freilich nicht weiter schlimm, denn ich nehme einfach ein frisches Blatt Papier zur Hand, dope mich mit einem Gspritzten, können auch zwei sein, und schreibe danach irgendeinen Schwachsinn, der mir gerade einfällt.

Sehen Sie, hochverehrtes Leserpublikum, spätestens jetzt wissen Sie, wie eine Matscho-Geschichte entsteht.

Weiterempfehlen Drucken Quelle: Matscho - Kolumne im Vormagazin
Links: www.vormagazin.at

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