Kann man einem Herzinfarkt ausweichen?

User kurt222 erzählt euch seine Geschichte und persönlichen Erlebnisse rund um das für uns alle so wichtige Thema.
Kann man dem Herzinfarkt ausweichen? Nun, wenn man etwas
Glück und die nötigen Lebensumstände hat, würde ich sagen:
"Ja“. Ich bin eher ein militanter Nichtraucher. In der frühen
Jugend fehlte mir das Geld und später war ich zu neidig, dafür Geld
auszugeben. In jungen Jahren war ich ziemlich sportlich. Hatte aber
dann aus familiären und beruflichen Gründen eine längere
Sportpause. Seit meinem 50. Lebensjahr betreibe ich wieder
regelmäßig Ausdauersport (Bergwandern, Bergradln und
Schitourengehen) und habe deshalb keinerlei Übergewicht.
Mein einziger Risikofaktor für einen Infarkt war daher mein
lebenslanger hoher Cholesterinspiegel. Die Neigung dazu habe ich
wohl geerbt und inzwischen auch an die nächste Generation
weitergegeben. Jegliche Diäten konnten meinen Cholesterinspiegel in
keiner Weise beeinflussen. Nachdem es Unzähli-ge gibt, die
rauchenderweise relativ gesund ein hohes Alter erreichen, machte
ich mir über meine Hypercholerinämie keine weiteren Sorgen nach dem
Motto: "Ein einziger Risikofaktor wird wohl erlaubt
sein“.
Weil ich ein notorischer "Tablettenverweigerer“ bin, habe ich
eine medikamentöse Behandlung in der Vergangenheit vermieden. Meine
hohen HDL-Werte (gutes Cholesterin) haben mich in meiner
Handlungsweise bestärkt. Ungefähr bis zu meinem 70. Lebensjahr
hatte ich mit dieser Lebensweise kein Problem. Ab diesem Zeitpunkt
begannen aber konditionsmäßige Einbußen, die ich auf das
fortgeschrittene Alter zurückführte. Bei meinen Aktivitäten, die
ich meistens mit wesentlich jüngeren Partnern ausführe, traten
immer wieder und mit der Zeit stärkere Beklemmungen in der
Herzgegend auf, die mit einem gewissen Leeregefühl im Kopf
verbunden waren.
Nachdem mich mein (Berg-)Radl zum zweiten Mal "abgeworfen“
hatte, wurde ich einsichtig und bin jeweils vor dem Abwurf
abgestiegen. Bei den Schitouren musste ich immer wieder innehalten,
konnte mich aber relativ schnell erholen. Schließlich war ich wegen
dieser "Zustände“ endgültig angefressen und ich wollte eine
umfassende Abklärung.
Begonnen habe ich mit einer Gesundenuntersuchung. Das Ergebnis war:
"gesund“. Ich habe nachgebohrt und ein wenig dramatisiert.
Dann wurde ein Belastungs-EKG gemacht. Bei diesem bestand ich
darauf, bis zu einer entsprechenden, über der Altersnorm liegenden
Belastung zu messen. Erst dann hat man eine Unregelmäßigkeit im EKG
entdeckt.
Darauf folgte eine Szintigrafie in der Nucmed der Innsbrucker
Klinik. Dort wurde letztendlich eine Minderdurchblutung bei
Belastung in einem Herzareal aufgespürt. Aufgrund dessen wurde mir
eine Herzkatheteruntersuchung empfohlen. Diese Empfehlung musste
ich vorerst verdauen. Im Herzen herumstochern lassen, das muss man
sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Ich habe mich aber
dann zu dieser Behandlung entschlossen und bin jetzt sehr froh
darüber.
Ergebnis: Vorerst voller Erfolg. "Vorerst“ ist von
mir, weil man ja nie weiß, was die Zukunft bringt. Ich bin aber
sehr optimistisch! Im Moment muss ich allerdings täglich 5
Medikamente "einwerfen“. Mit der Zeit werden es aber dann
wieder weniger! Jetzt bewahrheitet sich jedenfalls der Spruch:
"Früher sind die Menschen mit 50 glücklich gestorben und heute
schimpfen die 90-Jährigen über die Pharmaindustrie“. Ich
werde also in Hinkunft auch die "Cholesterintabletten“ brav
schlucken und hoffen, dass der Rest meines Lebens wieder mit mehr
Qualität gefüllt bleibt.
Nachfolgend noch eine kurze Schilderung des Eingriffs: Die
Einlieferung in den Operationssaal erfolgte liegend. Der
Operationssaal war im Wesentlichen eher ein Maschinenraum mit
Kranschienen, auf denen eine ziemlich große Röntgenapparatur lief
und 4 Monitoren, wovon einer in meinem Sichtbereich lag. Das
Behandlungsbett war ziemlich schmal und hart. Für einen kürzlich
bandscheibenoperierten wie ich einer bin, war das Liegen darauf
eher "unkommod“. Nach einer Rasur im Leistenbereich wurde ich
von oben bis unten abgedeckt. Kopf und Operationsbereich wurden
freigelassen.
Schließlich kam der "Professor“ und kommentierte seine
Tätigkeiten. "Jetzt kommt ein kleiner Stich, wie beim
Zahnarzt“, was stimmte und gleich darauf sagte er: "Ich bin
schon in Ihrem Herz“. Ich konnte am Monitor den Katheter als
schwarze Linie erkennen. Das Einspritzen des Kontrastmittels war
mit einem kurzen "Wärmeschauer“ verbunden. Nun sah ich das
Suchen und schließlich das Auffinden der Engstelle im
Versorgungsgebiet meines Herzens.
Die gefundene Engstelle sah nicht gut aus. Es war eine richtige
"Einschnürung“, nach späterer Erklärung nur mehr 10 % des
Nennquerschnittes“. Das Aufblasen eines Ballons an der
Engstelle mit 9 Bar und das Einsetzen des Stents erfolgte so
schnell, dass ich es nicht mitbekam. "Wir sind fertig“, war
der Kommentar des Professors und so war es auch.
Nun kam der für mich unangenehmste Teil: Damit die Einstichstelle
nicht nachblutet, musste ich 6 Stunden lang ruhig am Rücken liegen
bleiben. Meine vor 7 Monaten operierte Wirbelsäule hat das gar
nicht gemocht und ich kam nur mit Schmerzmittel über diese
Runde.
Was habe ich daraus gelernt? Unter normalen Lebensumständen
(Spazieren gehen, in der Ebene radln usw.) hätte ich die Anzeichen
des kommenden Infarkts bestimmt nicht erkannt. Da habe ich auch
nichts gespürt. Wenn ich beim Belastungs-EKG nicht auf eine höhere
Leistungsstufe bestanden hätte, wäre vermutlich auch dort alles im
grünen Bereich gewesen.
Zusammenfassend muss ich feststellen, dass ein sportliches Leben
allein nicht vor einem "Herzkasperl“ schützt. Mann muss schon
in den eigenen Körper hineinhorchen und bei Bedarf die nötigen
Entscheidungen treffen. Blindlings den untersuchenden Ärzte
vertrauen ist leider auch zu wenig. Selber mit-denken ist gefragt.
Alles und jedes auf das fortschreitende Alter zu schieben, ist ganz
sicher der falsche Weg.
Nachsatz: Genau 8 Tage nach der "Behandlung“ konnte
ich mich davon überzeugen, dass es ein voller Erfolg war. 1.200
Höhenmeter mit dem Bergradl waren wieder ohne Probleme möglich. Nur
mein Kopf hatte dabei noch Schwierigkeiten. Er wartete immer noch
auf eintretende Beklemmungen in der Brust. Die kamen aber
nicht!!
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Quelle: kurt222
5 Kommentar(e)
schutzi schrieb vor 629 Tag(en) 7 Stunde(n) 2 Minute(n)
Superguter Beitrag
Lange nicht einen so treffend geschilderten Bericht über dieses
Thema gelesen. War sehr hilfreich für mich. Also werde ich weiter
zähneknirschend meinen Cholesterinsenker nehmen.
Für Dich weiterhin alles Gute! Nochmals Danke!
Herzogenburg schrieb vor 615 Tag(en) 9 Stunde(n) 53 Minute(n)
Herzuntersuchung
Danke für die Aufklärung, wie so eine Herzkatheter-Untersuchung
abläuft. Ist sicher eine große Hilfe für alle diejenigen, die das
vor sich haben. Und vor allem Unbekannten hat man ja besonders
Angst.
Alles Gute weiterhin und liebe Grüße aus NÖ
energie schrieb vor 542 Tag(en) 15 Stunde(n) 25 Minute(n)
herzinfakt
sicher kann man das wenn man gesund lebt sport betreibt!!
wichtig ist auch das gewicht!
kurt222 schrieb vor 521 Tag(en) 9 Stunde(n) 25 Minute(n)
Entgegnung:
Gesund leben und Sport betreiben ist leider alleine nicht genug.
Ich habe mich ein langes Leben lang mit wenig Fleisch und viel
Gemüse ernährt, habe einen BMI von 22,7 und betreibe ziemlich
intensiven Ausdauersport (MTB im Sommer und Schitouren im Winter),
wie es zeitlich nur von einem Pensionisten zu machen ist.
Trotzdem wurde bei der Katheterbehandlung eine 90%-ige(!!) Stenose
an einem Herzkranzgefäß festgestellt. Es hätte also nicht mehr
lange gedauert, bis es mich erwischt hätte.
Mein Bericht war gerade für Sportler gedacht, die sich
möglicherweise sehr sicher fühlen. Das kann aber eine recht
trügerische Sicherheit sein!













SalzburgerEngerl schrieb vor 932 Tag(en) 6 Stunde(n) 36 Minute(n)
Das liebe Herz .....
Gratuliere !- Du bist ein Mann, der auf seinen Körper "hört " und nichts ausser Acht lässt und mit MUT auf seine Gesundheit schaut, selbst wenn es auch eine OP. sein muss !-Viele Männer sollten sich an dir ein Beispiel nehmen.Bleib gesund - aber übertreibe nichts !-Wünsche Dir noch viele schöne und "gesunde, aktive HERZ- Lebensjahre "!-