Das Potenzial der späten Jahre

Anlässlich des UN-Internationalen Tages der älteren Menschen am 1. Oktober fand am 25. September eine Veranstaltung im Dachsaal der Wiener Urania statt.
Klara Obermüller (69), Publizistin aus Zürich, hielt
einen sehr persönlich gestalteten Vortrag und meinte: "Ich
versuche, mich langsam an den Gedanken zu gewöhnen, dass nicht mehr
alles möglich und nicht mehr alles nötig ist.“ Nicht immer
einfach, wenn man als leitende Redakteurin im TV gewöhnt war,
Programme zu bestimmen und heute Zeitungen Themenvorschläge machen
muss, die auch abgelehnt werden können.
Giselher Guttmann (75) hielt ein Plädoyer für
"Seniorenstudium – ja, bitte!“ und zeigte auf, wie
wichtig Lernen für die Plastizität des Gehirns ist. Denn die
Moderne Hirnforschung hat bewiesen, dass Lernen bis ins hohe Alter
möglich ist.
Hubert Gaisbauer (70), pensionierter ORF-Abteilungsleiter im
Hörfunk, betitelte sein Referat: "Für die Kunst zu altern brauchen
wir die Kunst“ und beleuchtete darin sehr eloquent sechs
Thesen, die er so zusammenfasste: "Altern bedeutet nicht Verfall,
sondern Veränderung. Auch Kreativität nimmt nicht ab, sondern
ändert sich. Die Begegnung mit Kunst hilft, das Alter/n sinnvoller
zu erfahren; sie regt immer an, gerade dann, wenn sie aufregt.
Harmlose Kunst ist meist schlechte Kunst (Emil Nolde) Gute Kunst
fragt: bist du, wer du sein willst? Indem wir darauf die Antwort
suchen, erhalten wir uns geistig jung.“
Nach einer TanzPerformance der "Age Company“ erzählte die
Choreografin Nicole Berndt-Caccivio von Ihren Erfahrungen
mit älteren Menschen, die Tanz und Therapie sinnvoll verknüpfen.
Martin Scheutz vom Institut für Geschichte der Universität Wien
berichtet von seinen Erfahrungen mit älteren und jungen
StudentInnen und den Interpretationen der Zeitgeschichte bei
subjektiven Erinnerungen. Waltraud Maier-Hollunder, akkreditierte
Wirtschaftstrainerin, stellte die "Plattform Arbeit und
Alter“ vor, die älteren Selbstständigen eine wertvolle
berufliche Starthilfe bietet. Hedwig Fritz stellte "Third Age
Coach“ vor, eine Ausbildungsalternative für Coaches, die
ältere Menschen begleiten wollen.
Und mich hat die Sendungsgestalterin, Elisabeth Nöstlinger,
gefragt, warum ich als "junger Mensch“ die CD "Endlich leben
– Oder: Wenn ich einmal alt bin“ produziert habe? Weil
die Auseinandersetzung mit dem Alter früh erfolgen sollte und nicht
erst dann, wenn man womöglich in einer Altersdepression steckt. Ich
erzählte, dass es mich immer wieder erstaunt, in Todesanzeigen zu
lesen, dass jemand im 93 Lebensjahr "plötzlich und
unerwartet“ von uns gegangen ist. Mir hat kürzlich jemand
gesagt, Alter ist aktuelles Lebensalter plus 10 Jahre. Das hat was:
Alter ist Einstellungssache, das subjektive Gefühl lässt sich
programmieren, lässt sich konstruieren. Wodurch? Durch die Art zu
leben. Die moderne Gehirnforschung hat herausgefunden, dass
Gemeinschaft, Bewegung, Lernen und Überraschungen glücklich machen.
Und wer sich glücklich fühlt, hat mehr vom Leben. Das haben die die
Vortragenden dieses Abend sehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt
(deshalb habe ich auch ihr Alter in Klammer gestellt). Darin steckt
für mich das Potenzial der späten Jahre. Und wo ist Ihres?
Thomas J. Nagy ist systemischer Coach und beschäftigt sich
mit Lebensfragen wie Altern, Trauern und eigenverantwortlicher
Lebensgestaltung.
Informationen und Kontakt:
www.immer.at
E-Mail: t.nagy@immer.at
Weiterempfehlen
Drucken
Quelle: Thomas J. Nagy
5 Kommentar(e)
bachgasse schrieb vor 738 Tag(en) 13 Stunde(n) 6 Minute(n)
älter werden
Ich finde, älter werden bedeutet auch, die Zeit für sich selber bestimmen zu können und nicht nur das, man sollte auch die Hetzjagd früherer Jahre endlich ablegen können. Leider kann das nicht jedermann und vor allem nicht jede Frau. Meine kann das leider auch nicht, ich muß sie oft daran erinnern, daß wir uns bereits in der Pension befinden und keiner läuft mit der Uhr in der Hand hinter uns her! Ich möchte sie ja noch länger haben!
polpas schrieb vor 733 Tag(en) 7 Stunde(n) 21 Minute(n)
Lebenslust statt Altersfrust
Es gibt wirklich sehr viele Möglichkeiten seinen Pensionsalltag
selbst neu zugestallten. Die aktiven Senioren- lehren
ehrenamtlich-Tanzen,Tai Chi, Chi-Gong u.s.w...und ich bin mit
Freude dabei zu lernen, es ist nie zu spät für einen
neuen Weg und es macht Spaß auch wenn es in meinen Gelenken kracht
und
die Muskeln munter macht. polpas wünscht allen Spaß
wur schrieb vor 711 Tag(en) 10 Stunde(n) 9 Minute(n)
älter werden
älter werden bedeutet für mich - mehr zeit für kulturelle
veranstaltungen
zu haben. Künstlerisch tätig sein zu können - malen,
zeichnen.
Fremdsprachen , wie englisch , auffrischen. Das Internet bietet
ebenso
viele möglichkeiten um immer auf dem laufenden zu sein.
Mein motto "wer rastet - der rostet"!
martuska schrieb vor 341 Tag(en) 11 Stunde(n) 45 Minute(n)
älterwerden
in meinem alter fühle ich mich noch viel jünger,aber mein mann ist auch 70 und seit 6 jahre bettlägrieg!älterwerden hat nun einen sinn, wenn man noch halbwegs gesund ist und das leben noch geniessen kann!














ahna schrieb vor 856 Tag(en) 16 Stunde(n) 2 Minute(n)
altern
ich finde aelter werdern als positv mache vieles wozu ich in jungen jahren keine zeit hatte zum beispiel tanzen wandern mit freunden zeit verbringen und fühle mich richtig gut dabei