Die Rache der Weihnachtskeks

29.01.2007
Gemütlich ist es im Advent.
am Kranz bereits ein Lichtlein brennt,
der Tee dampft heiß aus dicken Tassen,
daneben lockt etwas zum Naschen.
Am meisten schätzt Frau oder Mann
das, was man selbst nicht machen kann.
Bei mir ist’s – ich gesteh es frei-
die Kunst der Weihnachtsbäckerei.
Die hab ich leider nie studiert-
mich hat halt stets nur interessiert
wo steckt der köstlichste Geschmack?
Wie’s geht, hab ich nicht nachgefragt.
Für Mann und Söhne gab’s zum Glück
trotzdem so manches süße Stück,
denn Schwiegermutter, Freundin, Tant’
kamen helfend angerannt.
Sie brachten Kugeln schwer von Rum
mit Schokolade drum herum,
Keks verziert mit Zuckerguss,
Lebkuchen und Pfeffernuss,
Vanillekipferl, Nussmakronen,
mit Creme gefüllte Kaffeebohnen,
Kuchentiere miniatur
mit rosaroter Punschglasur.
All dies, geschmackvoll dekoriert,
wurde vor Weihnacht uns serviert.
Damit die Männer nicht bestraft,
bloß weil die Frau nicht backen mag.
Die drei schwelgten im Knabberglück,
schmausten begeistert Stück um Stück.
Und wo die Keks ich auch versteckt’,
sie haben sie sofort entdeckt.
Seit hundert Jahren tönt es schon:
Ohne Arbeit- keinen Lohn.
Wer sich drückt vor Backrohrstunden,
dem darf nicht mal ein Kipferl munden.
Das sah ich ein, übte Verzicht:
"Nein danke, Kekse ess’ ich nicht!“,
kam’s fast von selbst aus meinem Mund-
leider nur vor Publikum.
Denn nachts beim Lesen-ganz allein
war’s aus mit meinem Standhaftsein.
Da hab ich flink auf leisen Sohlen
mir ein paar Kostproben gestohlen.
Redlich geteilt mit Hund und Katz,
die nahmen auch im Bette Platz
und forderten als Tier von Welt
ihr Weihnachtskekse-Schweigegeld.
Als Strafe ließen all die süßen
Verlockungen mich kräftig büßen
dafür, dass ich fast jede Nacht
heimlich die Teller leer genascht.
Jetzt zwickt der Pulli, und der Bauch
frisst meine Jean bedenklich auf.
Mein Lieblingskleid kann ich vergessen,
Sackform wär’ für mich angemessen.
Die Waage mir den Dienst verwehrt-
sie hat mir schon den Krieg erklärt.
Dem Spiegel schenk ich keinen Blick-
der wirft ein Rubensbild zurück!
Im nächsten Jahr- und das beschwör ich-
da bleib enthaltsam ich und ehrlich,
weil sonst mich wieder leiden lässt
die Rache aller Weihnachtskeks.
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Quelle: gabi eder











