KATZE AUF JAGD

Dieses Bild zeigt eine Katze.

21.11.2006

Man hört es weit im ganzen Land,
dass gut ist, wenn man den Verstand
mit seinen Taten auch verbindet;
vorausgesetzt, dass man ihn findet.
Noch wichtiger, hört man von den Herrr’n
Professoren oft und gern,
ist, dass man diese Zellen pflegt,
weil der Verstand sonst flöten geht.
Als beste Pflege wird genannt:
Lernen – und zwar ein Leben lang.

Was den Menschen wird geraten,
kann einer Katze auch nicht schaden.
Also mach ich einfach mit
und halte mich mit Lernen fit!
Vogelkund’ studier ich redlich
mindestens zwei Stunden täglich.
In der Früh so gegen acht
halt ich in der Küche Wacht.
Wo Zweige mit gesunden Sachen,
die Wintervögeln Freude machen,
bis zum Fenster reichen her –
Forscherherz, was willst du mehr!

Ein Semester Theorie
das muss schon reichen irgendwie.
Denn diese trockene Substanz
zerstört mir den Geschmack fast ganz.
Heut will ich schau’n, ob’s in der Praxis
so ist, wie in der Theorie gesagt ist.

Ich geh gleich zu den Hollerzweigen.
Die sind ganz einfach zu besteigen
und außerdem sind dort in Massen
Vögel zu sehen, wie sie prassen.
Kopfüber und kopfunter schwingen
sie sich an ihren Meisenringen.
Bei diesem Trubel, liebe Leute,
mach ich sicher fette Beute.
Der Speiseplan kommt heut von mir
mit einem köstlich Flattertier.
Zwei für die Menschin, zwei für mich,
das Hundetier kriegt sicherlich
auch seinen Teil – denn irgendwie
lieb ich es doch mein Wedelvieh.

Trockenübung noch im Zimmer,
denn Schleichen, Springen braucht man immer.
Ebenso wie mit den Pfoten
Krallenschärfen, wo’s verboten.
Da hör ich auch schon Frauchen schrei’n:
"Satansbraten, lass das sein!
Der Polstersitz gehört nur mir.
Geh zum Kratzbaum, liebes Tier!“
Zu diesem geh ich sicher nicht!
Ab zur Praxis ruft die Pflicht.

Sofort marschier ich in den Garten,
wo die Vögel auf mich warten.
Damit kein Piepmatz mich entdeckt,
schleich ich behutsam mich ums Eck.
Ich pirsch mich an – doch was ist das? -
Kein einzig Vogel mehr am Ast!
Glaubt nicht, ihr seid um vieles schlauer!
Ich leg am Ast mich auf die Lauer.
Halt mich ganz ruhig, hab’s schön weich.
Der Hunger treibt euch sicher gleich
herbei zu euren Leckerbissen.
Ich werde nur mehr schnappen müssen.

Da kommt schon einer – riesengroß-
Doch was macht dieser Vogel bloß?
Setzt auf den Ast sich nebenan,
grad so, dass ich nicht reichen kann.
Er wippt herauf, er wippt hernieder,
er grinst und schüttelt sein Gefieder,
fliegt los und schwebt auf 1, 2, 3
direkt bei meinem Maul vorbei!
Damit hab ich nicht gerechnet.
Doch bin sofort ihm nachgehechtet,
die Augen starr auf ihn fixiert.
Ab dann wurd’s leider kompliziert.
Hab nicht erwischt den Flatterich,
doch auch den Ast zum Landen nicht!
Im freien Fall ging es dahin
Todesangst nur mehr im Sinn.
In letzter Not hab ich erreicht
mit einer Pfote einen Zweig.
Dort zappelt’ ich minutenlang –
endlich fand ich wieder Stand.

Während ich noch voller Schreck
stresserfüllt am Ästchen kleb’,
hör ich vom Fenster her ein Schnauben.
Dreh mich um, kann’s gar nicht glauben:
Steht die Menschin da und lacht.
Das hätt’ ich nicht von ihr gedacht!
So unterscheidet sich der Mensch vom Vieh -
Schadenfroh sind Tiere nie!

Weiterempfehlen Drucken Quelle: Gabi Eder - Seniorkom Hobby Redakteurin

Login

Klub

A1 Button