Senioren testen Handys

22.07.2005
Benutzerfreundlichkeit (und "Seniorentauglichkeit" ) aktueller
Mobiltelefonmodelle am "Konsument"-Prüfstand.
Hier die Details zum Testverfahren und zu dem Ergebnis.
Neun von zehn Österreicher nutzen bereits ein Handy –
darunter eine Zielgruppe, die bisher eher als "handyscheu" galt:
Senioren. Auch sie greifen neuerdings verstärkt zum mobilen
Telefon.
Doch immer gefinkeltere Extras trüben nicht nur bei älteren
Menschen die Lust an der Mobiltelefonie. Eine deutsche Studie
zeigt: Quer durch alle Alters- und Bildungsschichten wünschen sich
Konsumenten eine einfachere Bedienung der Geräte.
Handhabung und Benutzerfreundlichkeit ausschlaggebend
Das Verbrauchermagazin "Konsument" testet regelmäßig neue Handys.
Im aktuellen Handytest sind aber erstmals nicht technische
Kriterien für die Bewertung ausschlaggebend, sondern Handhabung und
Benutzerfreundlichkeit der Geräte für ältere Menschen. Im Test:
Neun Mobiltelefone, die Hersteller und Provider als
"seniorentauglich" bzw. "noch am ehesten seniorentauglich"
einstufen. Die Tester: Neun Personen – mit und ohne
Handyerfahrung – im Alter zwischen sechzig und siebzig
Jahren.
Kein Modell "seniorentauglich"
Ernüchterndes Fazit des "Konsument"-Tests: Obwohl von den Anbietern
entsprechend ausgelobt, erweist sich kein einziges Modell als
herausragend "seniorentauglich". "Größter Schwachpunkt der Geräte
sind ihre Handbücher: Sie strotzen vor englischen Fachbegriffen,
unterlassen wichtige Bedienungsschritte und widersprechen sich bei
Anleitung und Display", berichtet Franz Floss, Bereichsleiter
Untersuchungen beim Verein für Konsumenteninformation.
Im Gesamturteil erreicht keines der untersuchten Handys ein "sehr
gut". Fünf Modelle erzielen eine "gute" Bewertung, vier sind
"durchschnittlich". "Da die Hauptfunktion – das Telefonieren
– mit jedem Gerät gelingt, haben alle bestanden", erläutert
Floss das Testergebnis.
Die Auswahl
Im aktuellen Handytest hatten Hersteller und Provider einen
Startvorteil: Die Anbieter konnten selbst bestimmen, welche ihrer
Modelle sie ins Rennen um den Titel "seniorentaugliches" Handy
schicken. Aber nicht allen fiel die Entscheidung leicht: "Samsung"
konnte oder wollte keine Auswahl treffen – also entschieden
die "Konsument"-Tester.
Die Kandidaten mussten ihr Können dieses Mal nicht den
"Konsument"-Testern beweisen, sondern die kritische Prüfung durch
die eigene Zielgruppe bestehen. Neun Personen im Alter von 60 bis
70 Jahren testeten neun Tage lang insgesamt neun Modelle von "LG",
"Motorola", "Nokia", "Samsung", "Siemens" und "Sony Ericcson". Die
zehnte Testperson – eine 77-jährige Frau – warf nach
dem zweiten Gerät resigniert das Handtuch.
Die "Seniorentauglichkeit" der Geräte war in mehreren Punkten
gefragt: Die Tester versuchten normales Nummern-Anwählen, Wählen
über Telefonbuch, Telefonbuch einrichten, Meldungen abhören,
Meldungen löschen, Kurzwahl einrichten und anwählen und bewerteten
zudem die Brauchbarkeit der Ausstattung.
Viele Schwächen
Unverständliche und komplizierte Bedienungsanleitungen oder zu
kleine Displays und Tasten – jedes Modell schwächelt, keines
erfüllt die Bedürfnisse und Anforderungen der Tester
ausreichend.
Die Ergebnisse im Detail:
• Die Hauptaufgabe – das Telefonieren – gelingt
mit allen Modellen recht "gut", mit "Nokia 6170" sogar "sehr
gut".
• Die größten Probleme bereiten die Bedienungsanleitungen der
Produkte: Sie bedienen sich vieler, nicht näher erklärter
englischer Fachbegriffe oder unterschlagen gerne die Notwendigkeit,
einen Schritt oder eine Programmierung durch Drücken der OK-Taste
zu bestätigen. Häufigstes Ärgernis: Diskrepanzen zwischen Handbuch
und Display eines Gerätes. So heißt es in der Anleitung Kurzwahl,
am Handy Schnellwahl, hier Terminplaner, dort Organizer.
• Als einziger Hersteller bietet "Motorola" eine Kurzfassung
der Bedienungsanleitung. Allerdings: Diese greift gerade jene
Funktionen – etwa Videoaufnahme/-call und MP3-Abspielen
– auf, die üblicherweise meist geübtere, jüngere
Handybesitzer anwenden.
• Recht gut gelang den Senioren etwa das Anlegen des
Telefonbuches oder Sprachmeldungen abhören und danach löschen.
Schwierigkeiten bereitete hingegen das Einrichten der Kurzwahl.
Sechs von neun Testpersonen hatten dabei gröbere Probleme, beim "LG
L1100" und dem "Siemens A 65" scheiterten fast alle.
• Die Tester kritisieren auch die Unübersichtlichkeit der
Geräte. Nur "Nokia 6170" und "LG L 1100" punkten als einzige
durchwegs mit "sehr guten" Ergebnissen bei diesem Prüfkriterium.
Bei vielen Modellen ist dagegen das Display unübersichtlich,
Schrift und Tasten sind zu klein. Außerdem ist bei den meisten
Geräten wegen der zu geringen Kontrastwirkung die Lesbarkeit nicht
ausreichend.
• Was die meisten Tester besonders ärgerte: Die signifikant
unterschiedliche Handhabung der Produkte.
Weniger ist mehr
Handyhersteller zeigen – aufgrund der immer größer werdenden
kaufkräftigen Zielgruppe – durchaus Interesse an
seniorengerechten Mobiltelefonen. Da aber ältere Menschen weniger
telefonieren als jüngere Zeitgenossen und auch teure Zusatz- und
Sonderoptionen wie Internetverbindung, Nachrichtendienste oder
Foto- und Videofunktionen kaum nutzen, mangelt es derzeit noch an
der Bereitschaft der Provider. "Die Bedürfnisse von Senioren werden
nicht ausreichend berücksichtigt, weil sie für die Netzbetreiber
zuwenig Profit abwerfen", kritisiert Floss. Dabei wird das
vielfältige Angebot an Funktionen und Möglichkeiten, mit denen die
Werbung gerne und lautstark lockt, nicht nur von älteren Menschen
als durchaus verzichtbar empfunden.
Gutes Design für alle
Ältere Menschen wollen hauptsächlich telefonieren. Dafür benötigen
sie Handys, die folgende Kriterien erfüllen:
• Vernünftige Tastatur. Ein Joystick erleichtert Fehler.
Telefone mit entsprechend großer Pfeiltastatur eignen sich daher
besser.
• Gute Lesbarkeit. Vernünftige Schrift- und Display-Größen
erleichtern die Bedienung. Wichtig ist auch ein starker Kontrast
zwischen Schrift und Hintergrund am Display.
• Übersichtliche Anordnung. Besonders für ältere Menschen ist
es einfacher, wenn Menüfunktionen von oben nach unten in verbaler
Form angeordnet sind und nicht kreuz und quer als Symbole über den
Bildschirm verstreut sind.
• Verständliche Kurzfassung. Nicht nur für Senioren, sondern
auch für die große Zahl der "Nur-Telefonierer" erweist eine
entsprechend gestaltete Kurzform der Bedienungsanleitung gute
Dienste.
Service: Wo gibt’s die Handys aus dem Test?
Folgende Modelle sind derzeit mit Vertrag erhältlich:
LG L 1100 bei Telering
Motorola C 975 bei Drei
Motorola RAZR V3 bei A1, One, T-Mobile
Nokia 1100 bei B-Free, Yesss!
Nokia 2600 bei A1, B-Free
Samsung SGH-D500 bei A1, One, T-Mobile
Sony Ericcson T 290i bei T-Mobile Klax
"Nokia 6170" und "Siemens A 65" werden zur Zeit nicht als
Vertragshandys angeboten.
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Quelle: 2005 KONSUMENT











