DIE TELEFONFREUNDIN

Dieses Bild zeigt eine Schreibmaschine.

Ein Mensch, so kapriziös wie ich,
nervt die Umgebung fürchterlich.
Mal seh ich schwarz, mal wieder weiß,
heut ist’s zu kalt, morgen zu heiß.
Ein wahres Glück, dass ich bislang
das Wetter nicht so ändern kann,
dass, wenn ich froh, die Sonne scheint,
ansonst mit mir der Himmel weint.

Üb mich im Jammern, Meckern, Klagen,
im Alltag will nichts mir behagen.
Kommt Besuch stöhn ich "Welch Stress!“,
alleine seufz ich "loneliness!“
und mach ein "Sauertopf-Gesicht“ –
kurzum: ich mag mich selber nicht.
Ein Wunder, dass das Haus-Getier
noch immer ausharrt hier bei mir.
Vielleicht weil Kost und Wohnung frei?
Es grenzt jedoch an Zauberei,
wenn eine menschliche Person
das Ganze macht um Gotteslohn.

Wenn’s nicht so klappt, wie ich gedacht –
egal ob früh, ob in der Nacht-
häng ich schon an dem Hallophon.
Zur Freundin geht der Jammerton.
Ob Ärger nur, ob echte Trauer,
ich nütz sie aus als Klagemauer.
Die Arme hört dann stundenlang
Weltuntergangskonzerte an,
gefolgt von Zornes-Symphonien
und Liebeskummerelegien.
Dazu noch Philosophenfragen,
ob Maikäfer auch Seelen haben.
Zum Schluss ein "Habe ich nicht recht?
Wie ist die Welt so furchtbar schlecht!“

Geduldig hört die gute Frau
sich alles an. Fragt noch genau,
was im Detail noch unklar ist.
Man merkt, dass es ihr wichtig ist,
deine Sorgen zu ergründen
und Abhilfe dafür zu finden.
Und weil sie alles gut versteht,
es dir gleich wieder besser geht.
Will ich dann danken, sagt sie schlicht:
"Bei Freundinnen braucht man das nicht!“
Verzweifelt wär ich lange schon,
gäb’s nicht den Trost per Telefon.
Ob auf dem Land, ob in der Stadt:
Wohl dem, der so ’ne Freundin hat.
Ließ’ diese Spezies sich nicht finden,
man müsste sie sofort erfinden.

Weiterempfehlen Drucken Quelle: Eder Gabriele - Seniorkom Hobby Redakteurin

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