Der Karl, die Paradeiser und ich

Tomaten

23.08.2007

Mein Karl geht einkaufen. Seit er in Pension ist und den ganzen Tag zu Hause, geht er immer einkaufen, damit ich es nicht "so schwer“ habe. Er will mir helfen, sagt er. Ich hätts ja wirklich lieber, wenn er endlich die Küche und das Bad renovieren tät – der Karl kann das – der kann alles, was mit Homeworken und so zu tun hat. Leider tut ihm dauernd das Kreuz weh. Da muss er den ganzen Tag in der Küche oder im Wohnzimmer sitzen und Talk-shows im Fernsehen anschauen.

Er fragt mich immer, warum ich denn die heruntergefallenen Fliesen im Bad wieder auf die Mauer picke, wo er doch eh bald zum renovieren anfangt. Und ich soll auch die schiefen Küchentürln so hängen lassen, meint er, der Karl. Denn wenn ihm sein Kreuz nicht mehr weh tut und das Wetter passt, wird er die Küche neu machen. Es zahlt sich nicht aus, die alte Küche zu reparieren, sagt er, der Karl – er versteht ja was davon. Er sagt das schon lange, und das Wetter hat noch nie gepasst, er wartet schon einige Jahre drauf, da ist er geduldig, mein Karl.

Ich muss auch sagen, er bemüht sich wirklich, mir zu helfen, im Haushalt, trotzdem ihm immer das Kreuz so weh tut. Er jammert nicht, er leidet still. Wenn ich koche, dann steht er ohne ein Wort zu verlieren, einfach auf von der Küchenbank – er schaut sich da immer alles im Fernsehen an. Er steht leise auf und legt sich ins Wohnzimmer auf die Couch. Da kann er auch fernsehen. Da ist er wirklich rücksichtsvoll, mein Karl – er will mir ja nicht im Weg sein, beim Kochen.

Er geht auch ganz freiwillig einkaufen. Das tut er gerne, wir haben schon die ganze Wohnung voll mit Sachen, die er günstig kriegt und die man sicher brauchen kann. Irgendwann. Er fragt mich dann immer genau, was ich kochen will, dann schreib ich ihm alles auf, was ich brauche. Denn er schaut immer drauf, dass ich alles koche, was ihm schmeckt – und deswegen hilft er beim Schreiben vom Einkaufszettel immer mit. Heute war ich sehr froh, dass er weggegangen ist, denn ich wollte unsere Böden schrubben und die Möbel von der Wand schieben. Nach einer Viertelstunde schrillt das Telefon. Der Karl ist modern, der hat ein Handy, ich mag keins. Ich muss aufpassen, dass ich nicht ausrutsche, weil der Boden nass ist, und geh zum Telefon. Karl fragt, ob ich denn auch wirklich nichts vergessen hätte, aufzuschreiben. Er liest mir den Einkaufszettel vor, ich habe nichts vergessen. Dann schrubbe ich weiter. Ein wenig später läutet es schon wieder, nun sagt der Karl, es gäbe schöne, frische Paradeiser, was ich denn kochen wolle, vielleicht wären die Paradeiser zu brauchen. Ich sage ihm, dass er sich doch Kartoffelgulasch gewünscht habe, und Paradeiser hat er sowieso nicht gerne. Gut, sagt er, das wollte ich nur wissen. Ich gehe zurück und schrubbe weiter. Karl ist ja so fürsorglich, sage ich mir, und wische mir das Wasser von den Patschen.

Es läutet. Ich schlüpfe aus den Schlapfen und gehe barfuß zum Telefon. Karl ist dran. Ich glaube, ich habe jetzt alles, sagt er, denk nach, solange ich noch hier bin, ob du nicht doch was vergessen hast. Ich denke nach – der Karl meint es immer so gut – nein, ich habe nichts vergessen. Das Gespräch wird unterbrochen, die Verbindung ist plötzlich schlecht. Ich geh schnell zurück, weil, wenn der Karl schon alles eingekauft hat, wird er bald da sein, und da möchte ich mit dem Boden fertig sein. Der ist aber rutschig, und weil ich barfuß bin, rutsche ich noch mehr. Ich kann mich grad noch am Kübel anhalten, um nicht hinzufallen. Das halbe Wasser schwabbt heraus und jetzt schwimmt alles. Aber ich werde es schon schaffen. Grad hab ich die Überschwemmung so halbwegs aufgesaugt, läutet das Telefon. Zuerst möchte ich gar nicht mehr hingehen, doch ich weiß, der Karl, der ist so ein guter Mann, und der macht sich Sorgen, wenn ich nicht abhebe. Es könnte mir ja was passiert sein. Und er hat ja recht, ich bin ja wirklich fast ausgerutscht, hätte mich verletzen können. Diesmal gehe ich wieder mit den Schlapfen, das ist nicht so glitschig. Karl sagt, er fragt mich noch einmal, weil doch die Paradeiser wirklich so günstig sind, er will gleich ein paar Kilo nehmen. Also gut, sag ich, ich will wieder zurück zu meinem Kübel. Nimmst halt 2 Kilo, dann leg ich schnell auf.

Grad hab ich den letzten Wischer gemacht, da ist der Karl schon da. Er merkt nicht, dass der Boden noch feucht ist, er geht gleich ganz stolz in die Küche mit seinem Einkauf und ich frag ihn lieber nicht, ob er wo hineingestiegen ist, denn er macht lauter schwarze Flecken auf dem Boden. Dann packt er alles aus, das heißt, er haut alles kunterbunt auf den Küchentisch, das macht er immer so, weil ihm das gefällt. Und dann klaubt er alles auseinander und zeigt mir, wie er günstig eingekauft hat. Wie er fertig ist, frag ich ihn aber doch, wo denn die Paradeiser sind. Da schaut er mich ganz groß an und sagt: "Die Paradeiser? Die brauchen wir doch nicht, hast du gesagt, du machst doch ein Kartoffelgulasch!“

Weiterempfehlen Drucken Quelle: Mayer Ursula - Seniorkom Hobby Redakteurin

1 Kommentar(e)

gabi1, 23.08.2007 18:14

...der karl...

köstlich dein karl. ich bin sicher, von dem weißt du noch mehr zu berichten.
hoffentlich! ich hab mich königlich amüsiert.
gabi

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