PRAG Malkurs-Reise 6.7. bis 9.7.2009

Begonnen hat es ja ursprünglich ganz harmlos. Hab mir sagen
lassen, dass viele große Dinge harmlos beginnen und unser
"Ding“ war ein großes.
Wie es bei meinen Malkursen üblich ist, sitzen wir nachmittags
immer auf der Terrasse des Ateliers und es gibt einen Espresso.
Natürlich nicht einen für sechs Leute. Kriegt schon Jeder einen.
Schon deshalb, dass kein Gezanke aufkommt. Gertrude hatte diesmal
sehr gute Mehlspeisen mitgebracht, die manche sich fürs Frühstück
aufhoben, das hat nicht nur mit dem Sammel- und Aufhebtrieb zu tun,
sondern mit Übersättigung nach dem Mittagessen.
Wie immer hatte Chrisula natürlich diesmal wieder die
"Kuderphase“ (Lachphase für deutsche Leser übersetzt). Ein
Wort ergibt das andere, alles blödelt durcheinander und als wir
auch mal ernst werden meinte Chrisula, dass es toll wäre einmal
gemeinsam wohin zu fahren und dort zu zeichnen. Die Idee wurde von
allen Beteiligten erfreut aufgenommen und Rudi machte sich erbötig,
sich um die Angelegenheit zu kümmern. Er hatte da schon etwas über
eine günstige Reise nach Prag gelesen. Ja so begann es. Lilo, Elfi,
Margarete, Rudi und ich fuhren mit einem ÖBB-Angebot nach Prag.
Rudi hatte eine Flasche vorzüglichen Rotwein im Rucksack, ich die
passenden Becher und so stand einer heiteren dreistündigen Fahrt
nichts im Wege. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass Rudi nicht dazu
kam seine zwei Kilo Reiselektüre zu studieren und die Stimmung dem
Alkoholgenuss entsprechend stieg. Hätten wir aber gar nicht
gebraucht. Die einzige Schwierigkeit bestand darin, den andern
ausreden zu lassen. Das war schon harte Arbeit zu Wort zu kommen,
aber ich hab’s geschafft, wie ihr, die ihr mich kennt, ja
schon geahnt habt.
Das Hotel lag drei U-Bahnstationen vom Bahnhof entfernt und an
einem Park. Also auch das bereits ein Traum. Abgesehen davon
supermodern und blitzsauber. Wir waren überrascht bei dem
exzellenten Preisangebot. Die ersparten Taxigebühren konnten wir in
böhmische Knödel umsetzen, was wir später mit Fleisch kombiniert,
auch taten. Frisch gemacht und ab in den zehn Gehminuten entfernten
Stadtkern.
Das Wetter spielte mit und die Stimmung war tadellos. Chrisula die
aus privaten Gründen abgesagt hatte, nahmen wir gedanklich mit und
ließen sie mit Becharovska jeweils hoch leben. Wir dachten
seeeeeeehr oft an unsere Chrisula.
Da waren: Margarete und Lilo unsere modisch immer topp gekleideten
"Mädels“, die praktische Margarete, die fürs Rechnen
zuständig war und Rudi der vorbildliche Reiseleiter mit sämtlichen
Restaurant – und Pragführern bewaffnete. Dass Margarete zur
Rechnerin avancierte, hat sie sich selbst zuzuschreiben, aber in
Prag müssen die Leute sehr reich sein, weil es gibt, egal welche
Menge an einem Tisch Platz nimmt, immer nur eine Rechnung. Das
heißt einer zahlt die Zeche oder man beißt sich einzeln tapfer
durch den tschechischen Bon. Da wir nach drei Tagen noch nicht so
reif waren, dem jeweiligen Kellner schon mitzuteilen, dass wir
getrennt zahlen, hatten wir jedes Mal dieselbe Situation. Kaum kam
der Bon, stürzten fünf Köpfe an die
Stelle wo der Bon lag und jeder wollte wissen, was er zu begleichen
hatte. Die Tücke lag darin, dass die Gerichte natürlich in
Tschechisch da geschrieben standen und wer diese unwahrscheinliche
Sprache nur annähernd kennt, weiß, dass es unmöglich ist sich eine
dieser Speisen in der Landessprache zu merken. Geschweige denn
Apfelsaft eca. Alles klang so ähnlich wie Treschnievsky. Als wir
bei Regen später den Veitsdom besichtigten und uns Nylonmäntel
(Regenpräservative lt. Rudi) in bunten Farben kauften, dachten wir
kurz daran, dass die Tschechen bei der "Premysl (Bschemysl)
-Aussprache“ auch gut daran täten, weil sie dann trockener
durchs Leben kämen. Es war aber nicht wirklich unser Problem. Um
zum Ursprung des Zahlens zurück zu kommen. Die Rechnerei übernahm
unsere Erste Bankfrau Margarete. Sie dürfte heimlich tschechisch
gelernt haben, da sie in Windeseile die jeweiligen Preise
herauspickte und die Zahlen zu einzelnen Summen addierte. Damit die
Leser nicht meinen wir haben den ganzen Tag mit Essen und Trinken
verbracht, möchte ich schon erwähnen, dass wir auch die
Einkaufsstrasse mit Diot, Prada, Cerrutti eca. Besucht haben. Ach
ja und natürlich die Galerien. Jede kennen wir in dieser Stadt und
Lilo, die nie ohne Kunstwerk ein Land verlassen kann, hat auch
diesmal gewaltig zu geschlagen. Nein nicht die Türe der Galerie,
sie hat einen wunderschönen weiblichen Holzkopf – ergattert.
Roter Bob und ein kecker Gesichtsausdruck. Wir waren alle
hingerissen von dem guten Stück, dessen Preis Elfi beachtlich
schrumpfen ließ. Obwohl wir im jüdischen Viertel waren, hat die
Verkäuferin fast einen Zusammenbruch erlitten, bei der
Hartnäckigkeit von Elfi. Dafür durfte diese den Kopf später auch
tragen. Ehre muss sein.
Als die Verkäuferin um das Einpackmaterial ging. Konnten wir noch
sehen wie sie das Gesicht (das eigene), in ihre Hände barg, um
ihrer Verzweiflung Ausdruck zu verleihen. Gut, dass Rudi nicht den
Cartierring für mich gekauft hat. Ganz Prag würde noch jetzt
weinen, denn Elfi hätte sicher auch dort ihre enormen Fähigkeiten
unter Beweis gestellt.
Viele Kilometer legten wir täglich hinter uns. Ein Schrittzähler
hätte seinen Geist aufgegeben. Wir waren rekordverdächtig. Wenn
Lilos Großzehengrundgelenksarthrose sich meldete, kehrten wir zur
Lockerung desselben ein. Wir opferten uns quasi und betäubten Lilos
Schmerz in dem wir uns ein Bierchen gönnten. Nun man ist ja
schließlich im Lande wo sie etwas davon verstehen. Man will ja die
Leute nicht enttäuschen oder gar als fremdenfeindlich angesehen
werden.
Erschwerend war ja auch, dass wir nicht flott weiter kamen, weil
irgendeiner immer eine Meldung schob, wo wir des Lachens wegen
aufgehalten wurden. Wer kann denn schon Lachen und
weitergehen?
Dennoch verstehe ich meinen Exmann noch immer nicht, denn der kann
auch nicht reden, wenn er geht. Das heißt, wenn er etwas erzählt
bleibt er stehen. Das ging dann immer so, dass er irgendwo an einer
Ecke stand und ich war längst weitergegangen und er sprach dort
alleine vor sich hin. Aber der Ex gehört da ja nicht wirklich her.
Das war nur eine kleine gedankliche Entgleisung.
Allerdings ist das beim Lachen ja anders, weil erschwerend dazu
kommt, dass man sich den Bauch halten muss. Warum weiß ich jetzt
auch nicht, aber ich hab den Verdacht, dass der Witz in den Bauch
rutscht und er soll ja nicht unten wo raus fallen, denn man will ja
was von der Pointe haben, also hält man sich den Bauch.
Ja oder so ähnlich. Ist sicher nicht wichtig wo der Witz grad
ankommt, verloren sollt er halt nicht werden. Ist ja ein Geistes
–"Kind“ und Kinder verliert man nicht. Das sagt die
Gesellschaft zumindest.
Nun um endlich zum Ende zu kommen, Prag war ein Haupttreffer, auf
fünf Personen aufgeteilt. Nun hoffe ich, wir werden nicht gefragt:
“Was habt ihr denn Schönes gemalt?“ Es soll solche
Leute geben, die derlei Fragen stellen, wenn man von einer Malreise
zurückkommt. Man könnte z.B. antworten:“ Wir haben viel
gesehen und viel fotografiert.“ Gibt aber solche, die dann
neugierig nachhaken. Nun meine Empfehlung, nochmals mit Ablenkung
probieren, sowie:“ Ihr müsst unbedingt nach Prag
fahren.“….und dann weiterreden, nicht aufhören. Kleine
Episoden einflechten, reden, reden. Reden bis die alle müde sind
und sich aus dem Gespräch verabschieden. Wenn ihr das mit Erfolg
geschafft habt, dann könnt ihr euch um eine Stelle in der Politik
umsehen.. Aber ihr sollt es wissen:“ Es waren unvergesslich
schöne Tage.“
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Quelle: suspra88
4 Kommentar(e)
cara schrieb vor 941 Tag(en) 6 Stunde(n) 24 Minute(n)
Prag Malkurs Akires Frage
Liebe Akire, du kannst schon hartnäckig sein "gggg".
Wir haben zwei flüchtige Skizzen gemacht und zwar aus einem der
wunderschönen Jugendstilcafes her/hinaus:-))). Jedenfalls hatten
wir eine Lebensqualität besonderer Güte!
Hab grad gesehen, haben sich ein paar Fehlerchen in der obigen
Geschichte eingeschlichen. No hoffe die Leute wissen, dass von Dior
die Rede war und es heißt richtig Becherovka (ohne s). Ich hoffe
ich bekomme mildernde Umstände. Bin eben eine
Gschuslerin:-)))
Lg. Susanne
Freu mich schon jetzt auf unsere gemeinsame Lesung am 10.10. 09 am
Schiff J.Strauss. Da wirds ein "Gekudere" geben. (=Gelächter, für
deutsche Leser ) "gg"
schutzi schrieb vor 936 Tag(en) 15 Stunde(n) 24 Minute(n)
Prag ist immer noch mein Reisewunschziel
Sehr schön geschrieben, - leider fahren wir immer nur DURCH Prag
....
Wird wohl immer mein Wunschtraum bleiben...
Puppi schrieb vor 561 Tag(en) 7 Stunde(n) 26 Minute(n)
Malkurs
Ach ja CARA-MIA, der Malkurs in Prag, hab schon mal nachgefragt
was da so gemalt wurde.
Wünsche Dir viel Lachen und fröhlich sein in diesem Sommer, das
wünscht Dir ....Puppi












AKIRE schrieb vor 941 Tag(en) 16 Stunde(n) 20 Minute(n)
Prag-Malkurs Reise
Liebe Susanne!
Ich habe mir nicht zu viel erwartet!!!! Es ist einfach ganz toll - wie Du auch wieder diese Reise beschrieben hast.
Ich habe aber doch eine Frage - wann wurde gemalt bzw. was wurde Schönes gemalt???????
LG
AKIRE