Augenblick! – Kur(z)urlaub in Bad Hall

Foto aus Bad Hall

Kinderle, das Augenlicht ist euer höchstes Gut, - hatte meine Schwiegermutter immer gesagt. Recht hatte sie. Wenn es irgendwann mal anfängt, dass man glaubt, die Brille sei zu putzen, und das dann nicht mehr hilft, den grauen Dunst aus dem Blickfeld zu entfernen, dann erinnert man sich an solche Aussprüche. –

Durch eine Werbeaussendung wurden wir auf den österreichischen Kurort Bad Hall aufmerksam, der für die einzigartige Heilkraft der starken Jod Quelle, besonders bei Augenleiden, bekannt ist. Früher, zu Kaiserszeiten, kurte man 3-4 Wochen dort, heute reicht es meist nur noch für einen kurzen Aufenthalt von ein paar Tagen, so wie bei uns:

Dienstag, 16.6.09
2 ¼ Stunden Graz bis Bad Hall, Achtung: Letzte Toilette ist VOR den 32 Tunnels!

Wir finden Hotel Miraverde in einem wunderschönen Park, rechts das alte kaiserliche Gebäude, Anbau modern nach Art von DDR oder Jugoslawien-Architektur. Wir haben Zimmer 34, mit Blick auf die Schwimmbadkuppel in den Park. Die Belampung ist gewöhnungsbedürftig, Bad groß und hell, - Internetanschluss funktioniert im Zimmer.

Wir gehen sofort zum Therapiezentrum "Physikarium" und sehen auf dem Flur mit Schrecken lauter alte Leute sitzen mit Binden vor den Augen, sind die alle operiert, durchfährt es mich ängstlich. Oder was hat man mit ihnen gemacht? Wir bekommen einen Termin bei der Augenärztin für morgen, denn ohne Verschreibung wird nur heute eine einzige Schnupper-Behandlung mit Jodsole vorgenommen. Das beruhigt uns.

Also zuerst zur Augeniontophorese:

Blonde Frau aus Steyer versorgt gekonnt und flink viele, meist ältere, gebrechliche Patienten mit immer gleichbleibend freundlicher Aufforderung: Sodele! SetzensIhnanieder! ZwickentutnichtsbeiIhnen?DanngehmasanmitdemStrom…

Für jeden ein Lächeln, ein kleiner Spaß und alles klappt wie am Schnürchen: 15 Minuten beide Augen auf eine Auflage legen, rechts und links an einen Griff fassen, dann wird der schwache galvanische Strom durch die Jodsolelösung gelassen, die die Augen umspült. Die Jodteilchen sollen so auch in der Tiefe des Auges wirksam werden. Sagt man. -. – Danach mit Piraten-Binde 15 Minuten im Gang sitzen und ruhen, nach 1 Stunde zur Lipidbesprühung. – Es tut nichts weh, aber ein wenig unheimlich ist mir immer dabei, obwohl ich festes Vertrauen in das Institut habe. -

Dann gehen wir ins Hotelschwimmbad, 32 Grad ist nicht gerade übermäßig warm, es ist auch nicht salzig, Wo liegt dann das Geheimnis? – Naja, der Glaube macht selig. Sauna schön heiß, Whirlpool mit Granderwasser, alles sehr gepflegt, z.Z. wenig Gäste da. Im Stressless-Raum gibt es bequeme Sessel, Blick in den Park, aber die Kopfhörer funktionieren nicht. Wir wollen uns eh ausruhen. Es gibt eine Tee-Ecke und Äpfel zum Zugreifen.

18.30 Abendessen, eine halbe Stunde früher wie in Bad Geinberg wäre vielen lieber. Bedienung ist seeeehr zuvorkommend und kompetent, der Wein ist sehr gut, das Essen fein, Salate und Nachspeisen ebenfalls in Ordnung. Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den wunderschönen Park bis hinaus zur Rehaklinik Sonnenpark.

Mittwoch, 17.6.09
Wider Erwarten gut geschlafen. Frühstücksangebot passabel, mehr als da ist, kann man gar nicht essen. 10.15 Termin bei der Augenärztin. Glasstärke wird gemessen, Augen eingtropft, dann wird ganz genau untersucht, auch der Augeninnendruck.

Während der Ruhezeit zwischen Ionto und Lipid machen wir einen Rundgang durch das direkt angeschlossene Hotel Vitana. Im Speisesaal ist es sehr laut, wir haben mit Miraverde den richtigen Griff gemacht. Der Vormittag ist rum, nachmittags nutzen wir die herrliche Sonne draußen im Hotelgarten. Der 15 Uhr-Snack ist leider nur süß gehalten, aber gut gemeint ist es auf jeden Fall mit dem Riesenangebot an Törtchen und Kuchen. Wir holen uns bei der Rezeption eine kleine Wanderkarte und gehen 2 Stunden entlang der roten Markierung über Mühlgrub in großem Bogen in den Ort zurück.

Donnerstag, 18.6.09
Jetzt geht es wieder los mit den schlaflosen Phasen in der Nacht, so wie ich es auch bei allen anderen Bäderaufenthalten gewohnt bin. Ich bin wohl 5 Stunden am Computer gesessen, auch Fritz wurde wach. 8.30 Uhr aufgestanden, Frühstück, - eine einzige Bedienung ist überfordert, - Frühstück bis 10 Uhr und dann mehr Personal, wäre sicher besser als Frühstück von 7 – 12 Uhr.

Unten in der Trinkhalle bedienen wir uns am Brunnen und eine Helferin erklärt uns, dass das Wasser in käuflichen Flaschen echte Sole ist, wovon man nur 3 Tel. pro Tag zu sich nehmen sollte. – Aus dem Brunnen kommt verdünnte Jod-Sole, davon nur einen Becher pro Tag. Und auf keinen Fall sollte man Wasser mit nach Hause nehmen und noch schlimmer wäre es, die Augen mit diesem Wasser zu spülen, da es dann brennen würde wie bei Ostseewasser. Aha, aha, - Im Thermalbecken ist Leitungswasser mit 8% aufbereiteter Jod-Sole angereichert. – Aber Jod-Sole hat nichts mit Salzgeschmack zu tun. Soso!

Nachmittags gehen wir in die Therme "Mediterrana", die erst im Dezember 08 neu eröffnet wurde. Nicht riesig, aber hübsch angelegt. Wunderschöner Blick auf den Nachbarort Pfarrkirchen und weiter hinten die Berge! Wir liegen draußen mal in der Sonne, mal im Schatten, zwischendurch schwimmen oder saunen. Alles sehr schön! Es gibt eine Jodsole-Dampfkabine und viele, viele andere Möglichkeiten, seinem Körper etwas Gutes zu tun.

Freitag, 19.6.09
Wecker deaktiviert, darum auch erst um 9 Uhr aufgewacht. Stress! 11 Uhr ist Termin im Therapiezentrum! Kleiner Spaziergang durchs Dorf, ganz ruhig, weil es regnet. – Das Angebot für die Fremden ist einzigartig: Vorträge, Wanderungen, Konzerte und nicht zuletzt Theater und Operetten im Stadttheater. Und dann das Benedektinerstift Kremsmünster ganz in der Nähe! Ich sitze bis zum Abendessen auf dem Balkon, die Markise ist runter und ich liebe es, den Regen darauf prasseln zu hören.

Heute ist Premiere für "Der Graf von Luxemburg". Es gibt bereits um 17.30 Abendessen und im Saal sitzt eine Gruppe illustrer Etepetetchen, bunt angezogen wie Papageien und so plappern und kichern sie auch. – Vielleicht ist der Herr im rosa Sakko gar der Graf aus Luxemburg und die anderen Statisten oder überhaupt nur befreundete Golfspieler? – Die selbigen waren auch im Hotel-Schwimmbad schon so irre laut, dass wir uns aufs Zimmer verzogen haben.
Schöner Abendspaziergang ins Nachbardorf Pfarrkirchen. Die Barocke Pfarrkirche anzusehen, ist ein MUSS! Nicht weniger sehenswert der Brunnen vor dem Gemeindeamt mit hübschen Bronzen-Kindern, ein Junge, der Flöte spielt, und ein Mädchen, das die Füße ins Wasser steckt. Ganz natürlich, so wie es uns gefällt. Nachts wieder 3 Stunden wach, Bilder am Computer angesehen und Briefe geschrieben.

Samstag, 20.6.09
Heute haben wir den Wecker gestellt, und waren um 9 Uhr beim Frühstück. Die Gruppe ist immer noch da und schnattert wie auf einem Hühnerhof. Warum ist man bei einer Kur immer so extrem ruhebedürftig?
Nach unseren Therapien geht’s mit Badetasche ins öffentliche Bad, Eintritt ist im Hotel-Preis enthalten. –Wir nutzen noch einmal die Sole-Inhalationskabine, aber weil es regnerisch, kalt und voll war, sind wir bald wieder gegangen.
Das Kurkonzert "Nacht der 1000 Klänge" mußte wegen des schlechten Wetters im Saal stattfinden, war aber wunderschön und sehr gut besucht! Von Aida bis Robbie Williams Imitat war alles dabei, sogar Frau Ursula Haubner in zweiter Reihe. Und danach beim Heimweg der Anblick der beleuchteten Kaiserzeit-Kulisse im Kurpark!
(Warum kann es nicht auch in Rogaska Slatina so gepflegt aussehen, wo das weltweit bekannte Mineralwasser mit einem aussergewöhnlichen Anteil an Magnesium sprudelt.)

Sonntag, 21.6.09 letzter Tag !
Man kann bis 12 Uhr im Zimmer sein, aber wir haben bereits um 10 Uhr alles im Auto und legen uns dann nur noch gemütlich in den Garten. Wir baden noch einmal im Hotel-Pool und genießen jede Minute intensiv, bevor wir die Heimreise antreten.

2 ½ Stunden bis Graz, Pizza Essen bei Fontana di Trevi , ein schöner Abschluss! Ob wir die Welt nun wirklich mit anderen Augen sehen, wird wohl weiter an unserer eigenen Einstellung liegen.

Weiterempfehlen Drucken Quelle: Ilse Brandt

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