Gibt es sie noch, die Donauweibchen ?

Sonnenaufgang an der Donau

Wir sind am Freitag. 30.04.04 mit dem Auto + 2 Fahrrädern hintendrauf nach Passau gefahren, haben in der Pension Gabriele, Adalbert-Stifter-Str.12, 94032 Passau, Tel. 09851-6446, bei einer freundlichen, älteren Dame, die Ilse noch ein Buch "Petticoat und Pferdeschwanz" abgekauft hat, für EUR 50,-- übernachtet; wichtig war, dass wir das Auto kostenfrei bis zu unserer Rückkehr vor ihrem Haus parken durften. (Parkplatz ist rar in der alten Stadt, anderswo kostet es zwischen 5 und 15,--/Tag.)

Samstag 1. Mai:
Runter in die Altstadt, über die Donau, dann über die Ilzbrücke und schon begann
der superperfekte Radweg, immer die Donau entlang, ohne Steigungen. Hinter dem
Donau-Kraftwerk Jochenstein passierten wir die ehemalige Grenze. Man merkt heute nicht mehr ob Bayern oder Oberösterreich. Dazwischen trüber Himmel, kurzer Sprühregen, dann wieder Sonne + hohe Wolken; Superlandschaft, mit uns einige Holländer und Norddeutsche.
Bei der Donauschlinge Schlögen endet die Straße, wir werden mit einer großen Zille für 1,50/Person über die Donau gefahren; drüben auf stiller Waldstraße weiter bis Inzell, wo wir in einer Radler-Rast gut und billig essen, sogar noch ein Bratenstück mitnehmen können.
In den Auwäldern: Wildenten und Wildgänse mit ihren 6-8 Kinderchen, schön in Reih und Glied, Mami voran, die Daunenbällchen wie auf einer Perlenkette hintendrein. Als wir ein Foto machen wollen, faucht uns die Wildgansmami ganz böse an......
Im reizenden Barockstädtchen Aschach queren wir die Donau wieder ans Nordufer und nehmen dann um 17 Uhr eines der zahllos angebotenen Radlerquartiere bei Famlie Rothbauer in einem Einfamilienhaus in Feldkirchen an der Donau, bestens motiviert durch drohende Gewitterwolken, die sich dann auch entladen, als wir unter der heißen Dusche stehen.
1. Tag: 75 km, 15 km vor Linz.
Am 2.Tag: weiter nach Linz, weiter am Donaudamm oder einem alten Treppelweg, der inzwischen asphaltiert worden ist. Die Bezeichnung Treppelweg rührt daher, dass vor Erfindung der Dampfmaschine die flussaufwärtsfahrenden Schiffe von Pferdegespannen entlang des Ufers an langen Seilen die Donau hochgezogen werden mussten. Diese ufernahen Straßen sind die "Treppelwege".
Sonne + Wolken, kühl, kein Gegenwind, super Landschaft, die Donau in majestätischer Ruhe neben uns. Vor uns liegt nun das Donaukraftwerk Asten und hier begegnete uns das aus der Sage bekannte und in zahlreichen Statuen am Donauufer verewigte, berüchtigte Donauweibchen:
Ich (Fritz) fuhr meinen Rhythmus und war Ilse so um 300 m voraus und machte intervallleise eine Ruhepause, um meinen Schatz nachkommen zu lassen; so auch bei der Wegweisertafel vor dem Kraftwerk Asten.
Da erschien - wie tückisch - das Donauweibchen, nicht als Nixe mit Fischschwanz - sondern als Joggerin (Laufsportlerin) mit langem Blondhaar und atemberaubender Figur (die Atemnot bezieht sich nur auf Männer zwischen 16 und 90). Genau vor der Wegweisertafel und in meinem Blickfeld machte sie ihre Streckübungen.... (Donnerwetter!)
Da war auch schon Ilse da und stellte sich gekonnt vor die falsche Nixe. Alles OK? Ja! und schon war Ilse wieder auf dem Weg (leider dem falschen) und ich folgte notgedrungen. Als wir um das Kraftwerk herumgefahren waren und eine Fahrverbotstafel ignoriert hatten, wurde der Weg erst steinig, dann sandig und nach 2 km standen wir auf einem Landzipfel und guckten entgeistert auf das gegenüberliegende Dörfchen, von dem uns 300 m Wasser trennten.
Also zurück - bis zum letzten Wegweiser, 3 km, wo sich das "Donauweibchen" gekonnt auf einer der Holzbänke in der Sonne räkelte...
6 Kilometer umsonst gefahren! Wer ist schuld daran, dass wir die Wegweisertafel dort nicht beachtet hatten? Wir sind uns schnell einig: DAS kann nur das "Donauweibchen" in Ausübung einer seiner Verführungskünste gewesen sein. Nicht auszudenken, was geschehen hätte können, wäre Ilse nicht so schnell zur Stelle gewesen. So wurden es "bloß" 6 km Mehrleistung.
Der richtige Radweg R 1 beim Donaukraftwerk Asten zwingt uns zu einem Schlenker über Land bis Mauthausen, wo wir im Gasthof "Traube" an der Donaustraße gastfreundlich, gut und billig zu Mittag gelabt und getränkt werden. Allmählich schieben sich Berge an die Donau heran, Ausläufer der "Böhmischen Masse", das Granitplateau des Waldviertels.
Beim Donaukraftwerk Wallsee kreuzen wir aufs Südufer und weiter durch Auwälder, gelbblühende und duftende Rapsfelder bis zum historischen Markt Ardagger.
Hier beginnt der "Strudengau", so benannt nach den Wasserstrudeln, die von Fischern und Schiffern gefürchtet waren. Die Berge geben links und rechts des Flusses nur wenig Platz für eine Straße und drüben auch für eine Bahnlinie. Schlösser und Burgen, auch Burgruinen bei jeder Biegung des Flusses, fast immer auf die Höhen gebaut.
Ja, das ist ein Jahrtausendealter Handelsweg, die "Salzstraße", die auch seinerzeit von den Kreuzrittern auf ihrem Zug ins Heilige Land benützt worden ist.
Vorbei an der Donaubrücke Grein, wir bleiben auf dem Südufer (ohne Autoverkehr). Als wir eben 95 km gefahren sind, finden wir in Donau-Arte, einer privaten, ehemaligen Schutzhütte eines Touristenvereins beste Unterkunft. Ein reizendes Zimmer, Essraum mit Terrasse direkt über dem Strom, Blick auf gegenüberliegende, dicht bewaldete Höhen des Waldviertels, die alte Stadt Grein und Burg Werfenstein, Ilse ist glücklich!
Der Wirt verabschiedet sich um 20 Uhr, wir bleiben mit einer Flasche guten Wachauer Weines, selbstgepflückten Bärlauchblättern, unserem Bratenstück von gestern und Brot vom Wirt allein im Hause. Ilse genießt das wunderschöne Ambiente und macht die CD-Anlage an: klassische Musik, genau zur Stimmung des großen Stromes passend, auf dem in beiden Richtungen Schiffe ziehen.
Nach der heißen Dusche sind wir in bester Stimmung: Zufrieden und hundemüde, schlafen wie Murmeltiere und merken gar nicht, dass es nachts wie toll geregnet hat.
3. Tag :
Am Morgen: Nebelschwaden ziehen über den Fluss und die Wälder, aber um 8 Uhr erscheint nicht nur unser Wirt samt Ehefrau und einem prächtigen Frühstückskorb, sondern auch die Sonne. Auch die beiden kaufen Ilse ein Buch ab und zeigen uns das prächtig neugestaltete Haus mit seinen 8 reizenden Gastzimmern.
Um 9,00 geht’s weiter Donauabwärts. Per Zufall erfahren wir unterwegs, dass unser Wirt, Herr Fischer, der ehemalige Röntgenprimararzt, Professor Dr. med., des Krankenhauses Grein an der Donau war. Wir empfinden es als besonders erfrischend, dass auch in Österreich hin und wieder angenehm tief gestapelt wird.
Durch hohe Buchenlaubgewölbe fahren wir weiter (15 km) bis zur historischen Stadt Ybbs, queren die Donaubrücke nach Persenbeug (Böse Beuge, heute begradigtes Flussknie)
Hier beginnt nun der Nibelungengau, in dem die Wurzeln des deutsch-österreichischen Nationalepos, "Das Nibelungenlied", ruhen (neben dem Rheingau, Worms, Odenwald und Burgund u.a.) Hier gehen wir auf einer Brücke wieder ans Südufer bei Pöchlarn (Stammsitz des legendären Waffenmeisters des Dietrich von Bern (heute: Verona) Rüdiger von Bechelaren.
Weiter im Sonnenschein auf dem asphaltierten Donaudamm bis Melk, dessen prächtiges Barockkloster schon von weitem grüßt. Im Zentrum des historischen Städtchens verfehlen wir die Supergastronomie des Gasthofs "Stadt Melk" weil der jetzt "TOM´s" heißt und essen stattdessen im "Rathauskeller Deinhardt-Goldener Hirsch" bei unfreundlicher Bedienung wenig und zu teuer. Keine Seife auf der Toilette, weil angeblich die Besucher die immer "mitnehmen". Ilse hat dem Pächter empfohlen, künftig das Essen ohne Besteck zu servieren, weil die Gäste ja auch mit den Fingern essen könnten und somit auch kein Besteck "wegkommen" würde...... Nicht zu empfehlen.
Nun fehlen uns noch rund 125 km bis Wien. Um 14 Uhr wieder losgefahren - durch die hier beginnende WACHAU, das Donauweinland.
Wir bleiben am Südufer (heute wissen wir, dass wir besser über die Melker Donaubrücke ans Nordufer hätten fahren sollen, weil weniger beschwerlich und der von der Autostraße getrennte Radweg u.a.durch die Weingärten und Dörfchen führt). Bei uns geht es zunächst kräftig bergauf zum Schloss Schönbühel, dann wieder bergab zur Donau, teils auf alten (neu asphaltierten) Treppelwegen, teils auf der Bundesstraße B 33, wo zwar nicht viel Verkehr ist, die wenigen Autos aber immerhin ganz schön "brettern". Vorbei an Schlössern und ehemaligen Burgen (Aggstein) teils durch Weingärten mit geöffneten Buschenschänken, wo es hoch hergeht. Die vielen D-Auto-Kennzeichen sind auffallend. Wir widerstehen der Versuchung, hier einzukehren, zumal wir kein Zimmer finden können. Der Wein könnte uns die "Beine wegziehen" und das Weiterstrampeln schwer machen...
Gegen 18 Uhr passieren wir den Weiler Hundsheim und nun "reicht´s uns", vor allem kräftemäßig, weil wir zuletzt kräftigen Ostwind von vorn hatten. 2 km weiter im Städtchen Mautern finden wir ein schönes Zimmer bei freundlichen Leuten, dem Obstbau Ilse Brauneis, in ruhiger Lage. Nach heißer Dusche (Ahhhh!) zu Fuß in den Buschenschank, tiefroter, samtiger Blauburger und eine Vesperplatte
für uns Zwei und danach noch je eine Kardinalschnitte krönen den Tagesabschluss.
80 km sind wir heute gefahren, beschwerlicher als zuvor, weil wir eben (ungewollt) den schwierigeren Abschnitt am Südufer genommen hatten.
4. Tag : Nachts hat es wieder geregnet. Das Frühstück ist sehr reichhaltig, wir nehmen noch 1Liter Apfelsaft aus hauseigener Pressung mit. Der hat uns schon zum Frühstück sehr gut geschmeckt. Zimmerpreis mit Frühstück: EUR 44,-- für uns beide.
Am Nordufer grüßt das 1.200-jährige Krems, Tor zur Wachau, die wir nun verlassen. Nun wird das Land flach. Wir fahren am Donaudamm, links der Fluss, rechts Auwälder, bis Zwentendorf, wo wir dann bis zur Stadt Tulln auf asphaltiertem Radweg über flaches grünendes Ackerland fahren. Unterwegs offeriert ein findiger Mann frische Bauernkrapfen und Getränke. Wir nehmen Hollundersekt (alkoholfrei) und je einen der großen Gebäckfladen, die uns gut munden und den Energiespeicher auffüllen. Wir hatten ab 10 Uhr grauslichen Gegenwind, der bis Wien hin immer stärker werden sollte.
Das Wetter ist sonnig-wolkig-windig (hoffentlich bleibt uns ein Regenschauer so kurz vor dem Ziel erspart, hoffen wir - ging auch in Erfüllung). Die letzte Möglichkeit über eine Brücke die Donau vor Wien zu überqueren bietet das Kraftwerk Greifenstein (nur für Fußgänger und Radfahrer). Der Wind von vorne wird immer kräftiger, unser Tempo immer langsamer.
Endlich kommt Korneuburg in Sicht, dann das Schild: Wien 7 km. Das war ein Augenblick!!
Genau 15 Uhr sind wir beim Gasthof "Tuttendörfl", den wir schätzen, weil er sehr schön direkt am Fluss liegt und - vor allem - weil er ganztägig warme Küche hat.
Wir tauschen unsere Radkleidung, ich im Gastgarten, Ilse im Waschraum und dann speisen wir wie die Fürsten, jedenfalls fühlen wir uns so bei Rindssuppe und Tafelspitz(gekochtes Rindfleisch mit Apfelmeerrettich und Dillsahnesoße + Kartoffeln)
Noch 10 km bis zu unserem Ziel! Wir schaffen das auch, obwohl mit vollem Magens etwas beschwerlicher und haben um genau 17 Uhr in Wien 318 km ab Passau-Oberstadt erreicht.
Ein Super-Erlebnis, wir sehen etwas mitleidig auf die Autofahrer herab, die so etwas (vielleicht?) nicht könnten.....

Unsere - sehr empfehlenswerten - Übernachtungsadressen (andere sind das sicher auch, und es gibt sehr viele davon, in Einfamilienhäusern, Bauernhöfen usw.)

1. Nacht: Maria Rothbauer, 4101 Feldkirchen an der Donau, Haus Nr. 54, 07233-6733
Ferienwohnung inkl. Frühstück: EUR 33,--

2. Nacht: donau-arte (früher TVN-Schutzhaus an der Donau, 3323 Neustadtl/Donau,
Hößgang 15, 0676-4381903, Hr. Fischer.

3. Nacht: Obstbau Ilse Brauneis, Grüner Weg 37, 3512 Mautern, 02732/85188

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1 Kommentar(e)

cocos schrieb vor 983 Tag(en) 10 Stunde(n) 42 Minute(n)

Radtour

Liebe Ilse & Gatte
Lieben Dank, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, diese schöne Reise so anschaulich und detailliert zu beschreiben. Macht Lust, die Strecke (oder einen Teil davon) nach vielen Jahren wieder einmal in Angriff zu nehmen. Quartiertipps sind immer prima!
cocos

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