"Die Schlacht am kalten Büffet"...5. Fortsetzung

Jeden Morgen, wenn ich den Speisesaal betrat um zu frühstücken, passierte das gleiche Stück. Menschen, die offenbar hungrig wie Löwen sind, umlagern im dichten Gedränge die Tische, die kunstvoll gefüllt sind mit den Köstlichkeiten dieser Erde. Es ist alles in großen Mengen und in leckersten Formen da. In der Mitte ein aus Rostbeef auf Silberpapier und Spiegel aufgebauter "Wasserfall " hatte in ca. 1o Minuten absolut keine "Überlebenschancen ". Warum schiebt man, warum drängt man und stößt dabei seinen Nachbarn? ---Kaum, dass einer eine Entschuldigung murmelt.Die Angst, zu kurz zu kommen, muss in der Horde einmal ganz tief verwurzelt gewesen sein.
FUTTERNEID nennt man das. Und Reste davon sind selbst an diesen
Tafeln des Überflusses für Augenblicke noch zu erkennen. Die
Schlacht am kalten Büffet wird eisern geschlagen.- Auf dem Teller
liegt ohnehin viel zu viel. Bei mir nicht.Bin ich von besserer Art
? Ich lasse mich wie im Grandhotel an meinem Tisch nieder. Auf
meinem Teller lag schon ein kleiner Blumenstrauß als Morgengruß
meines Sohnes. Ich ignoriere das Selbstbedienungsbüffet. Der
Steward in meiner Abteilung kennt längst meine Extratouren."Das
Frühstück wie gestern - ist es so recht "?---fragt er. Dann eilt er
davon. Ich schaue amüsiert der unschönen "Abräumtaktik " einiger
Gäste am kalten Büffet zu.
Wie von Zauberhand erscheint dank meines Stewards bereits auf
meinen Tellern alles wie von selbst. Saft-Kaffee, Ei,
Marmelade,Honig, ein Stück Wurst, etwas Käse, frische
Brötchen.Müsli oder sonstige lukullische Köstlichkeiten vom Koch
zubereitet könnte man bei "Heißhunger " jederzeit verlangen. aber
mehr mag ich gar nicht. Es ist ja schon kurz vor zehn Uhr.
Unvorstellbar, wenn man an daheim denkt, dass man da um 1o.oo Uhr
erst frühstückt...vielleicht sonntags ?---
Am Schiff wird schon wieder um ein Uhr mittags zum LUNCH gebeten.
Mindestens fünf ! Gänge,manchmal sogar mehr. Essengehen ist eine
süße Pflicht. An Bord aller Luxusliner sind Tischzeiten geheiligte
Stunden. Nichts darf sie entweihen. Nicht einmal
Tafelmusik. Man hat also zu tun- alleine schon dem fortwährenden
Umziehen mit Chic, Esprit und Einfallsreichtum.Also Spieglein,
Spieglein an der Wand, wer ist denn die Schönste hier am Pott?
---Das ist schon ein himmlisches Vergnügen, ständig sich zu
"verhübschen "- was im Alltag daheim sicherlich nicht so ausgiebig
vorkommt. Da gibt’s einen anderen TERMINKALENDER ...aber den
wollte ich ja total vergessen – man wird es nicht glauben,
aber wie leicht mir das gelungen ist, hätte ich nie gedacht. Es ist
doch mal so herrlich, wenn man nur mehr einmal an sich selber
denken kann! ---
Ich weiß, jetzt wäre spätestens mal ein Loblied auf die Küche dran,
ein Hoch auf die Meister am Herd, die wahre Wunderwerke der
Gaumenlust aus ihren blanken Töpfen hervorzaubern. Wie sie auf
engstem Raum ausschweifende Speisefolgen entstehen lassen, ist
rätselhaft. Ich hatte die Ehre die Schiffs- Küche besichtigen zu
dürfen, mein Sohn stellte mich dem Meisterkoch vor und ich konnte
mich nur mehr wundern, wie wenig Platz in ZENTIMETERN gemessen,
jedem einzelnen Koch und Küchenmeister - in dieser
Hitze noch dazu - zum "arbeiten " eigentlich übrig blieb, zumal ja
die modernen Glasteller-sprich Kunstgebilde, auch noch zum
Anrichten Platz benötigten. Wer sich vorstellt wie schön es sein
muss an so einem Arbeitsplatz zu arbeiten, der wird,- sobald er da
unten in der Kombüse (ist für einen Schiffskoch fast eine
Beleidigung!)steht, -bald eines Besseren belehrt werden. Und doch
gibt es solche Küchen-Fanatiker, Gott-Sei-Dank, sonst würden wir
nicht solche "Wunderwerke "verschmausen können in diesem
Highlight-Ambiente einer Reise auf dem Wasser. Ob Wolfsbarschfilet
auf Lauchbett oder Hirschkalbsbraten mit Williamsbirne und
Preiselbeeren- es sind Kunstwerke für Feinschmecker. Und erst die
tollsten Gebilde an Süßigkeiten Aber wurde diesen Künstlern je der
verdiente Ruhm zuteil? --
Schon die alten Griechen rechneten die Kochkunst zu den tragischen
Künsten. Wie das?- Was hat die Kochkunst mit der griechischen
Tragödie gemein?- Die Fachleute sagen: Der Augenblick ihrer
Vollendung erfordert gebieterisch ihre
Vernichtung!- Nach Aristoteles, dem großen Lehrmeister, muss der
tragische Held untergehen im vierten Akt.- Die köstlichste
Entenbrust auch.Sie wird einfach aufgegessen zum Schluss. Das ist
traurig und doch goldrichtig. Gelobt und bedankt seien all
die
fleißigen Hände,die nicht müde werden,das Stück der großen
Vergeblichkeit immer neu anzurichten. Im Übrigen isst man nicht nur
mit dem Mund. Auch die Augen sind wichtig. Es stehen im
Speisesaal der DONAUPRINZESSIN ganze Landschaften erlesener
Speisen,nur so zur Dekoration : Früchte, Süßwaren, Platten mit
Käse. Kaum einer bedient sich, denn man hat an seinem Tisch schon
alle Mühe, mit den aufgetragenen Leckereien fertig zu
werden. Für einen Japaner, der ja immer alles fotografiert, wäre
das alleine schon ein Eldorado. Es gibt kühle, saubere Weine dazu,
die von speziellen Damen serviert werden. Welch eine Völlerei wäre
eine Kreuzfahrt, wenn man allen ihren Versuchungen folgen würde
...Man isst ohnehin viel zu viel. Aber es ist das Geheimnis
der
Küche,dass man trotzdem kein Völlegefühl bekommt. Da kommt schon
wieder ein Gang. "Mohnparfait auf einem Fruchtspiegel und
Madeleines "...lese ich auf der Speisekarte - was ist das?- Beiß
rein: die Lippen, die Zunge, der Mund werden es dir verraten. Süß
und köstlich wird es munden.- Es hat gemundet--man denkt nicht mehr
an eine Gewichtszunahme.- Ja, die Augen, die Szene, das Stück
Theater, es gehört mit dazu. Speisen müssen nicht nur gerichtet
werden. Es gehört zum Stolz der Köche auf der Donauprinzessin, dass
sie mitunter präsentiert werden wie Riesengewinne im Lotto. War es
nun die Eisbombe Goodbye mit warmer, roter Grützesoße oder ein
anderes Dessert ?--Nachmittags – ist dann auch noch der
"Fünf-Uhr-Tee " samt Süßigkeiten zu überstehen- sei es serviert am
Sonnendeck, wenn man genüsslich im Liegestuhl so dahindämmert ,
oder am Kaffee--Steh-Büffet .-Man wird bedient von hinten und vorne
und von allen Seiten und in jeder Lage.-
Des Abends, zu später Stunde, fast am Ende flogen im Speisesaal-
nach dem Abendessen mit wieder fünf und mehr Gängen, jedenfalls
plötzlich die Küchentüren auf...Es setzte schmetternde Marschmusik
ein. Das Licht wurde diskret gedämpft. Man spürte, dass sich Großes
ankündigte. Der Einmarsch der KÖCHE begann. die Musik intonierte
jetzt "Leichte Kavallerie " und dann sah man die Parade der Köche
in weißem Dress und mit hohen Kochmützen eine RIESENEISBOMBE in den
Saal schleppen. Das Kunstwerk
war mit unzähligen, brennenden Kerzen geschmückt. Es war ein
Augenblick verblüffender Festlichkeit. Es wurde ganz still. Die
Gäste hatten sich alle spontan erhoben und begannen im Rhythmus der
"Leichten Kavallerie " zu applaudieren. Es war auch ein Dank an die
Küche. STANDING OVATIONS erfüllten den Saal.-..........
Um Mitternacht - kurz vor 24.oo h- am Zwischengang zur BAR- konnte
man noch der Versuchung eine köstliche Gulasch-Suppe samt Bier und
Gebäck zu kosten, auch nicht widerstehen. Und dann erst recht in
der BAR - bis morgens bei Piano-Musik - gab es wieder die
erlesensten Cocktails mit verschiedenen Snacks zu testen und zu
genießen ...LUXUS PUR!-
Man tanzt und singt: "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein, in
den siebenten Himmel der Liebe ..."und das hat man noch nie so
ernst gemeint, das mit der Wolke Sieben ...
Letzte Fortsetzung folgt: DER ABSCHIED--leider!-
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Quelle: salzburger engerl











