Die Welt der Gäste... 4. Fortsetzung

Symbolbild Donaukreuzfahrt

Auf einem Schiff wird alles anders. Der Herr neben mir im Liegestuhl ist vielleicht Mitte Sechzig. Er stammt aus Mainz
und erzählt mir mit der heiteren Nachdenklichkeit der Mainzer von seinen langjährigen Erfahrungen im Elferrat beim "Mainzer Karneval ".- Das sei kein Vergnügen, wie es denn des Abends im Fernsehen immer scheine.-

Gerade heute am Faschings-Dienstag denke ich daran, als er mir damals erzählte: Der Karneval in Mainz ist ein vertracktes Geschäft...Der Mainzer Karneval ist eine Riesenstrapaze für die Macher. Was es da alles zu bedenken gibt und zu beraten ist. All die Auftritte,Lieder und Sonderwünsche der Ortsvereine. unbeschreiblich, all die lokalen Eitelkeiten, die Gewänder, Masken und Verkleidungen, ein teures Vergnügen, die zu berücksichtigen seien. Er schüttelte sich damals schon sehr amüsiert und direkt selig, das alles los zu sein..... Da ich ja ein neugieriges Weib bin und so hautnah noch nie vom Karneval in Mainz hörte, forderte ich ihn zu seinen Erzählungen der aller lustigsten Art gerade zu heraus. Ein anderer Herr aus KÖLN gesellte sich dazu und bald waren wir an Deck eine ganz lustige Runde, die vom Karneval schwärmten. Als Salzburgerin konnte ich da natürlich nicht mithalten- denn uns sagt man ja leider sogar den "Faschingsmuffel " nach, was auch zumindest teilweise stimmt.- In der Stadt Salzburg ist fast "offiziell" nie was los- bis auf Faschings-Kinderumzüge- schade eigentlich-

Aber nun zur Donauprinzessin zurück.Die Herren meinten, eigentlich sonderbar- warum fällt uns das alles jetzt im Sommer und auf einem Schiff plötzlich ein, wie es am Rhein beim Fasching so zugeht? ---Was die DONAU- " Atmosphäre " nicht alles ausmacht ...man möchte es kaum glauben. Der Herr aus Mainz war eben in Pension gegangen. Er war Verwaltungsdirektor einer Städtischen Klinik in Mainz gewesen. Es war der Wunsch meiner Frau, sagte er;" Wenn du endlich die Arbeit hinter dir hast, machen wir diese Reise.Einen neuen Lebensabschnitt sollte man immer festlich beginnen. Die DONAU war schon immer der TRAUM gewesen ........"- die hinzugekommenen Damen bestätigten das lautstark.

Es sind knapp 2oo Gäste die sich auf solche Weise jeden Samstag auf der Donauprinzessin versammeln, von überall her.Die Tour war schon Monate vorher ausgebucht, sagte mir mein Sohn. Die Gäste waren Deutsche in der Überzahl. Aber es gab auch Österreicher, auch eine Bäuerin vom Land mit Gretchen-Frisur...Eine Reisegruppe aus Amerika aber mischte sich auch darunter- das hörte man. Nein, es waren keine Millionäre, es waren Angehörige der oberen Mittelschicht: Bankbeamte,
Ärzte,Studienräte,Kaufleute,kleine Unternehmer, Handwerker mit Frau und Tochter, eigentlich Leute, die jetzt erst die Zeit und das Geld für solche Vergnügungen hatten. Es waren aber wenig Einzelreisende- "Singles genannt".- aber sie blieben nicht lange alleine. Man reist zu zweit- zu dritt, im Familienverband, im Speisesalon war es zu sehen: die kleine Gruppe dominierte. Es bildeten sich Tischgemeinschaften,freundschaftliche Gruppen auf Zeit, entspannte Geselligkeit. Gottlob war man nicht zu kollektiver Gemeinschaftlichkeit verpflichtet. Jeder und
jede behielt sich auch den persönlichen Freiraum. Das Individuelle dominierte.Es gab auch Ausnahmen. Es gab Extratage, an denen das Schiff aus besonderem Anlass vorwiegend
einer Gruppe zur Verfügung stand. Ein Schiff ist da der ideale Treffpunkt für Feste von größerem Zuschnitt: z. b.- ein Unternehmer, der mit seiner Belegschaft sein Firmenjubiläum standesgemäß feiern möchte. Er wird auf diesem Schiff wohl genau so den Rahmen finden, der intim und repräsentativ zugleich ist.
Es gibt Politiker: Parteichefs,Ministerpräsidenten etc. die aus gegebenen Anlass ihre Mitarbeiter für ein paar Tage so stilvoll um sich versammeln sollten. Vielleicht würden da wichtige, politische Entscheidungen schneller gefällt? --- Der Rechnungshof wird sicher prüfen, was die Staatskasse dazu meint. Es soll Angehörige alter Adelshäuser geben, die ein Jubiläum ihres "Fürsten " auf so einem Schiff begehen. Das Schiff war schon immer die ideale PROMINENTEN-HERBERGE. Wer wirklich berühmt ist und nicht eben knauserig und ein Fest geben muss- wo wäre er
ungestörter und sicherer als auf der DONAUPRINZESSIN? --alle SchauspielerInnen und Film-Leute wissen dass auch ...Davon, natürlich, ist in den Gazetten kaum etwas zu lesen. Die Papparazzi drangen noch nicht so weit vor , zur Freude von Menschen, die mal lieber unter sich sein wollen ...Unsereiner :--weder Baronesse noch Industriekapitänin , auch zur Ministerin vielleicht völlig ungeeignet, weiß gleichwohl die eigenen Geselligkeitsformen,die ein Schiff bietet, zu schätzen.

Ich persönlich bin eigentlich eher eine schriftstellerisch veranlagte Einzelgängerin, die für mich meine Kreise zieht und
sich dabei mit Psychologie beschäftigt, wobei man da genug an menschlichem, sehr interessanten Stoff findet.-Es ist ganz normal, sich ab und zu aus dem Kreis der FreundeInnen zu lösen, für einige Stunden das Alleinsein zu suchen. Man steht an der
Reling, man liegt auf dem Sonnendeck, nippt an seinem Drink. Man kann sich vollkommen entspannen.Man will gar nichts, nur vor sich hindösen.- Plötzlich klappt eine Türe. Die FreundeInnen von vorhin stehen vor deinem Liegestuhl. Freudige Überraschung,als hätte man sich lange nicht gesehen. Ansonsten kennen sich
hier viele nicht, sie lernen sich erst am Schiff so einigermaßen kennen, kann aber mitunter auch zur Enttäuschung werden. Es gibt da so einige " Gesellschaftsspiele",- wie überall, wenn Menschen aufeinander treffen. Manche Hobbys werden ebenso plötzlich wieder wach, sei es Fotografieren, Zeichnen und es gibt verschiedene
Spielchen, die man machen kann. Das lustigste war u.a., dass eine Dame immer wieder behauptete, der Nürnberger Dom sei der Größte und Schönste von allen, da könnte nicht mal der "kleine "Stefansdom" in Wien damit konkurrieren. Anlässlich einer Abendunterhaltung tanzte nur leicht und schwebend eine "Primadonna "herein, die aber niemand zu kennen schien. Ein Herr versuchte sich als Alleinunterhalter in der Bar, nachdem er schon einige Whiskys intus hatte, da waren wenige Gäste amused.Bei manchen Gästen wäre ein IQ-Test(Intelligenz-Test) jedoch fatal ausgegangen- nachdem sie sich vorher als " Intelligenzler geoutet " hatten .Ich hatte immer meinen
Schreibblock dabei und notierte mir gewisse Wortgefechte und andere, gegenseitig lächelnd an den Kopf geworfene Liebenswürdigkeiten, die ich dann auch in meinen geschriebenen Artikeln verwendete.-In der Literatur soll ja immer alles ganz mühelos wirken und nur schön sein- aber auch das muss man sich erarbeiten.

Ein Schiff kann Menschen sehr verändern, auch in nur einer Woche.- Dazu verhelfen einem eben auch die Menschen, - eben Gäste genannt,- in ihrer Art und unvollkommenen Vollkommenheit. Diese - auf so einem Schiff hautnah zu ergründen,- ist- da es doch eine andere Umgebung ist,- psychologisch äußerst lehrreich und interessant. Das war, ist so und wird immer so sein. Der Schein trügt oft ...Wer nie sein Brot mit Tränen ass- sagte dann mein Sohn am Ende unserer gemeinsamen Reise beim Abschied....und ich wusste nun, was er fühlte und meinte.-

5. Fortsetzung folgt: "Es wird zu Tisch gebeten"---die Schlacht am kalten Büffet ".-

Weiterempfehlen Drucken Quelle: salzburger engerl

0 Kommentar(e)

Login

Klub

A1 Button