LANDGÄNGE ... 3. Fortsetzung

Symbolbild Donaukreuzfahrtschiff

Einiges habe ich auf dieser Reise zugelernt...Manches Vorurteil habe ich revidiert. Die Ausflüge zum Beispiel, die unterwegs
angeboten werden. Sie habe ich total falsch eingeschätzt. Ausflüge in Dürnstein, Wien, Melk, Budapest, alles Orte, die ich zumindest in Österreich schon kannte. Was soll’s? Die Leute sollen etwas unterhalten und abgelenkt werden. Sie werden für ein paar Stunden an Land gebracht, durch die jeweilige Stadt gekarrt, dann geht es wieder weiter...Hast du das nötig? --Ich dachte, du kannst dir solche Ausflüge sparen, du kennst ja den Laden- oder?

Ich revidierte mein Urteil. Es war ein klassisches Vorurteil. Tatsächlich gehören diese Ausflüge substantiell zu einer Flussreise- wird ja wohl überall sonst wo auch so sein? ----Man muss nämlich ab und zu wieder festen Boden unter den Füßen haben. Erst wenn man wieder solide auf der Erde steht, ist man sicher, nur wirklich woanders zu sein ...Wenn man da an die großen ,mitunter 12-stöckigen Schiffe auf allen Meeren denkt, die oft tage- und nächtelang nur übers Wasser schaukeln, erkennt man, warum man dann unweigerlich auch seekrank wird, es fehlen einem die festen Planken (sprich :Erde ) unter den Füßen.-

Das Reisen auf der "kleineren "Donauprinzessin ist so komfortabel und schön, dass man leicht der Illusion erliegt, man habe eigentlich keine nennenswerten Entfernungen hinter sich gebracht. Man hat aber. Man ist in ganz andere Länder gekommen. Der Mensch ist und bleibt ein merkwürdiges Wesen. Das Auge ist sein wichtigstes Organ, aber es genügt eben nicht, vom Schiff aus plötzlich das herrliche Stadtpanorama von Budapest zu sehen, den Gellertberg und die Elisabethbrücke,das Parlamentsgebäude und das Hotel Forum, du bist in Budapest erst dann, wenn du mit eigenen Füßen durch die Stadt gehst oder dich auch mit einem Taxi zu all den wunderbaren Plätzen fahren lässt, die dir nur ein echter Ungar erklären kann. Das ist und war merkwürdig, aber gehörte mit zu meinen damaligen neuen Erfahrungen: Wie entdecke ich eine Stadt wirklich? Es ist die Erde, es sind die Füße, es ist der Ort, der uns versichert, nun
wirklich woanders zu sein. Alle Ausflüge sind wichtig.Sie bringen uns zur Wirklichkeit zurück.Dem Auge bietet sich immer nur Schein. Allerdings sind solche Exkursionen mit der Donauprinzessin auch wieder etwas ganz Eigenes. Ja, man kehrt auf die Erde und ihre eigenen Formationen zurück, aber man tut es in dem angenehmen Bewusstsein, das schöne Muttersymbol, das uns brachte, unverändert im Hintergrund zu haben. Rückkehr in den bergenden Schoß ist jederzeit möglich. Man führt ein Stück Heimat mit, während man zugleich die Fremde erkundet. Nichts kann passieren. Das schöne Ding liegt ja am Ufer. Es wartet auf dich, während du die Fremde erforschst. In der Fremde und doch Zuhause- darin liegt der besondere Reiz dieser LANDGÄNGE.

Ich denke, dass es einem auf einem großen Schiff genau so
geht...meinem Sohn erging es beruflich am TRAUMSCHIFF genau so. Wenn’s mit seinem Heimweh aber ganz arg wurde- dann schrieb er mir, seiner Mutter, ein Mail- oft von jedem großen Hafen auf der ganzen Welt- Heute verstehe ich ihn- nachdem ich mit ihm mit der Donauprinzessin ja dasselbe erlebte, nur im kleineren Stil. Es war für mich nicht ohne Ironie, diese Erfahrung ausgerechnet in Budapest zu machen, der Stadt, die ich noch nie gesehen hatte. Man lernt niemals aus...solange wir leben, sammeln wir Erfahrungen. Es war verblüffend genug- für mich eine Begegnung mit Ungarn, die ich so hautnah und intensiv nie erlebt hatte. In der Bibliothek des Schiffes fand ich dann noch dazu das Buch: "Elisabeth, die seltsame Frau ..."- die tragische Geschichte unserer Kaiserin Elisabeth von Österreich und
Königin von Ungarn und konnte ihre unsagbare Liebe zu diesem Land und ihren Ungarn erst so richtig begreifen.
Vor allem von dem Nachmittagsausflug in die PUSZTA war ich hingerissen. Ja wirklich:hingerissen!-

Draußen im Nationalpark bei einem Gasthof erwartete uns eine Gruppe berittener Hirten in ihren wunderbaren, weiten Gewändern. Sie rissen uns förmlich aus dem Bus, sie stopften uns in einen Pferdewagen, der hart und klapprig war und ab ging es wie
Lützows wilde, verwegene Jagd. Es ging über Stock und Stein. Der Wagen rumpelte, knarrte, wackelte und drohte in den Kurven umzukippen.-Einige Damen gingen zu Boden, lachend.Staub wirbelte auf.Pferde wieherten und bäumten sich auf. Der Kutscher ließ die Peitsche bedrohlich knallen. Es war, als wenn unsere Hirten uns ein Lehrstück vorführten.Seht ihr fremden Flusspiraten! ---So leben wir in der PUSZTA immer noch: wild und in herrlicher Freiheit. Danach gab es noch eine Extrashow! --Es wurden Reiterkunststücke vorgeführt.Wir saßen auf harten Bänken.Man sah in die Ebene, die flach und endlos schien. In der Ferne kamen jetzt plötzlich Reiter angesprengt.Wie Kosaken preschten sie heran. Dann ging die Gruppe zu Einzelkunststücken über : prächtige Schimmel, die elegant tänzelten,auf zwei Beinen balancierten verwegene Reiter,die auf zwei Pferden stehend, um die Wette galoppierten. Es war wie im Zirkus, nur wilder und echter...Danach erquickte man sich in einer Raststätte im Grünen. An langen Tischen wurden die Köstlichkeiten Ungarns serviert:----Salami und Speck, Paprika und Rauchfleisch, kräftige Landweine dazu. Eine Gruppe junger Hirten musizierten und tanzten in traditionellen Kostümen alter Volksweisen. Es war ein Bild der Erinnerung, schön anzusehen. Natürlich kann man jetzt sagen: alles Touristenschnickschnack...Aber es passte am Ort und im Augenblick.Es gefiel. Mehr noch: es blieb in Erinnerung- bis jetzt. Und als wir dann abends wieder in unserem Bus saßen, der uns zur Donauprinzessin zurückbrachte, hatte man das gute Gefühl: jetzt bist du wirklich in Ungarn gewesen, in seinem ländlichen Teil. es war ein Stück vom Ganzen.

Und wie geht es morgen weiter? ---fragte eine Dame neben mir.Ich war ja bestens informiert. Erstens durch meinen Sohn (der das ja alles beruflich managte ) und außerdem hatte ich unser Tagesprogramm zur Hand. Morgen, sagte ich, geht es nach Esztergom und dann weiter nach Pressburg, Bratislawa, Slowakei. Wieder ein anderes Land, wieder ein anderes Volk EUROPAS. Die DONAUPRINZESSIN ist unser fliegender Teppich. Er trägt uns zuverlässig dahin
.........
Fortsetzung folgt

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