Das Schiff - ein Muttersymbol... 2. FORTSETZUNG

Donaukreuzfahrt, ein Symbolbild

Woher kommt das merkwürdige Glücksgefühl, das uns beim Anblick von Schiffen immer erfüllt? -- Ob es nun ein ausgewachsener Ozeandampfer ist oder nur ein kleines Linienschiff auf dem Main, auf der Donau und auf anderen Flüssen in aller Welt und
besonders auf allen Welt-Meeren, immer wecken Schiffe in uns fröhliche Kindergefühle.

Sie riechen nach Weite und Ferne, nach Freiheit und nach Abenteuer. Nur der, der jahrelang auf diesen Planken rund um den Globus beruflich unterwegs war, der hat mal genug davon?- Das Phänomen dabei ist aber, dass es ihn immer wieder trotzdem
auf ein Schiff zieht -letztendlich. Und sei es im Alter nur auf ein Ruderboot auf einem See- daheims- Ein Schiff, so wage ich jetzt die Behauptung, ist das MUTTERSYMBOL schlechthin. Es trägt, versorgt, ernährt, schützt uns und bringt uns zur
-Welt !- im wahrsten Wortsinn. Es ist die Mutter, die sagt: Geh hinaus!- Ich warte auf dich. Komm zu mir: ich trage dich. Kehr zurück: ich berge dich. Ich bin deine Heimat. Bei mir bist du zu Hause. Von daher ist es erklärlich, dass wir einem Schiff mit ganz anderen Gefühlen begegnen als einem Auto, einem Eisenbahnwaggon oder einem Flugzeug......Das sind Transportmittel von unüberbietbarer Banalität.Schiffe hingegen sind Lebewesen mit eigener Seele.

Mit Recht tragen Schiffe eigene Namen und werden getauft wie Christen. Es sind Persönlichkeiten,ja Liebesobjekte, die wir nicht nur beachten,sondern bewundern,bestaunen wollen. In Schiffe kann man sich verlieben.......Nicht ohne Grund
sind sie alle weiblichen Geschlechtes. Je schöner, je größer,je stolzer es aussieht,umso mehr lieben wir es. Ist es nicht der frühe Kinderstolz auf die Mutter, den wir hier noch einmal erleben?-Alle Seemannslieder erzählen davon, von Fernweh und Heimweh, von fremden Häfen und der Heimkehr zur Mutter nach Hause. Warum soll ich es jetzt nicht sagen?-
Als ich, von der Autobahn abfahrend, von Salzburg über Oberösterreich kommend, dann durch Passau fuhr, war etwas wie fiebrige Erwartung in mir. Wo mag sie liegen, wie mag sie aussehen? ---Ich kannte die Donauprinzessin nur von Abbildungen, also nur so von ungefähr. Als ich meinen Sohn aus Berufsgründen dann zu ihr brachte- da war es etwas ganz anderes. Es war genau, als wenn man die Braut, die man nur von Fotos kannte, nun endlich leibhaftig sehen sollte. Eine Weile rollte mein Auto so am Donaukai entlang.Viele Schiffe lagen da, wie Perlen auf einer Kette aufgereiht. Alle
sahen weiß und einladend aus, aber keines entsprach meinen Hoffnungen. Da, als ich schon meinte, es ginge nicht mehr weiter, da lag sie dann plötzlich und entsprach meinen schönsten Vermutungen. Lang und unendlich vornehm lag sie wirklich wie eine Prinzessin am Kai und schmeichelte all meinen Phantasien. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste am Land? -- Sie war es....

Die DONAUPRINZESSIN übertraf hier am Kai alle Schiffe durch ihre Größe und Eleganz. Von diesem Augenblick der Ankunft an ging es zu,als wenn wir an einem Grandhotel in Wien oder München vorgefahren wären.....dienstbare Geister, hilfreiche Hände überall. Den Kofferraum auf, man übergibt seinen Autoschlüssel einem Garagisten,der den Wagen ins Depot nehmen wird. Schon ist das Gepäck auf dem Schiff. Gleich hinter dem Eingang ist eine Art Rezeption aufgebaut. An einem Tisch sitzt das Empfangspersonal. Es ist höflich, adrett und äußerst bemüht. Das Schiffsticket hingeben und den Pass dazu.
Man bekommt seinen Schiffsausweis und andere Grundinformationen. Die Tischreservierung im Speisesaal wird vorgenommen.Die Nummer der eigenen Kabine ist wichtig!- Vergiss sie nicht!- Und plötzlich bist du keine Fremde und kein Fremder mehr ......du sollst dich hier einrichten, zu Hause fühlen. Die Reise kann also beginnen. Wie wird es sein?- Ich will des Augenblickes gedenken, an dem die Donauprinzessin dann ablegte, es war präzis 19.3o h - und jeden Samstag geschieht das, ganz undramatisch und ganz lautlos. Kein lautes Getute, kein dröhnendes Anspringen von Motoren, keine Kapelle, die "Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus "- intoniert. Vor allem keine Papierschlangen, die dann zerreißen, wenn du weiter und weiter auf die Donau hinausfährst.....Wenige Begleitpersonen stehen am Kai und winken. Ich stehe oben am Sonnendeck und merke kaum,wie sich das lange Schiff, lautlos wie ein Floß, langsam von der Kaimauer löst und in die Flussmitte rangiert,zunächst rückwärts stoßend.

Passau ist eine Dreiflüssestadt: die Donau, der Inn und die Ilz fließen hier zusammen. Und je mehr das Schiff jetzt vom Kai Abstand gewinnt, umso herrlicher öffnet sich der
Blick auf das Gesamtpanorama. Fabelhaft, welch eine alte und schöne Stadt: Inseln, Brücke, Berge, Burgen liegen am Ufer. Ganz Passau wirkt jetzt wie eine Spielzeugstadt, die uns zu Füssen liegt. Nun ade, du mein lieb Heimatland, sangen wir früher als Kinder in solchen Augenblicken. Nach dem frohen Wiedersehen mit meinem Sohn kam dann endlich die Nachtruhe.
Nachts, ich hatte schon einige Stunden geschlafen, wurde ich plötzlich wach, scheppernder Lärm weckte mich. Es war, als wenn Eisenplatten dauernd aufeinander schlagen und schwere Zahnräder darüber rollten.Ein Dröhnen und Brummen erfüllte die Luft. Siehst du, denke ich, auch dieses Schiff macht seinen Lärm.

Ich blicke zum Fenster.Keine Wachau- keine Traumlandschaft- eine riesige Betonwand ist im Halbdunkel zu erkennen. Sie liegt direkt vor meinem Fenster, nachdem ich die Vorhänge zurückgezogen hatte. Und während ich den Lärm noch unserer Donauprinzessin zusprechen will, merke ich, wie wir langsam sinken......Mein Gott, ein mulmiges Gefühl beschleicht mich, finden so nicht die Schiffsuntergänge statt?---Saufen wir
ab? ---Was ist? ---- Ich bekomme Panik- Tunnel-Phobie-ich flitze aus der Kabine, da ich das Gefühl habe, die Betonwand zerdrückt mich ...nur hinauf aufs Deck... oben dann war’s leichter und ein toller Anblick!- mitten in der Nacht....
Wir hatten die erste Staustufe der Donau erreicht. Von Passau bis Wien haben wir n e u n Schleusen zu durchfahren. Und jede Schleusenfahrt hat etwas vom Höllenspektakel, vor allem des Nachts...... Man spürt plötzlich die Kraft, die Gewalt, ja Wucht, die hier am Werk ist: komplette, große Schiffe werden da gehoben oder abgesenkt und das nur mit
Wasserdruck. Ein Wunderwerk der Technik sind diese Riesenschleusen...wir sinken und sinken...Auch ich sank dann trotzdem wieder zurück in den Schlaf.

Fortsetzung folgt: -----LANDGÄNGE.........

Weiterempfehlen Drucken Quelle: SALZBURGER ENGERL

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