Dolly's Kindheitstraum

Malkasten

Wohlbehütet von Eltern und Großeltern wuchs ich in der Nachkriegszeit in Wien auf. Leider ohne Geschwister, doch mit zwei Cousins die ich abgöttisch liebte. Außer meinem Wellensittich Pipsi durfte ich natürlich auch keine Haustiere haben. Einer meiner beiden Vettern, übrigens 7 Jahre älter als ich, hatte ein Wahnsinnstalent zum Zeichnen und Malen. Und da die kleinen Mädels gerne den großen Buben nacheifern brachte er mir schon sehr früh die Freude an Farbe und Papier nahe. Als ich dann schon ein größeres Mädchen war und mit meinen Freundinnen über Zukunftspläne plauderte hatte ich schon eine fixe Vorstellung von meinen Träumen. Und wovon träumte ich?

Einen festen Beruf wollte ich haben, um mir mit dem verdienten Geld eine Ausbildung zur Kunstmalerin zu finanzieren. Irgendwann würde ich dann als Berühmtheit in die Österreichische Geschichte eingehen. Einen tollen Mann und Kinder wollte ich natürlich auch haben. Ja und der nächste Traum war ein Häuschen auf dem Land – nichts wie weg aus der Großstadt – wo ich auch meiner Liebe zu Tieren dann freien Lauf lassen konnte.
Und wie wirklich wurden meine Kindheitsträume?

Einen Beruf hatte ich natürlich und da auch den richtigen, denn mit meiner Ausbildung konnte ich in weiterer Folge dann im Betrieb meines Mannes arbeiten. Den Mann, den ich wollte bekam ich auch. Es war Liebe auf den ersten Blick und jetzt, so hinterher betrachtet ein unglaublicher Glücksfall. Kinder bekam ich auch, aber in unsere Familienplanung passten nur zwei. Der Wunsch von mir nach einem dritten Kind wurde von meinem Mann nicht akzeptiert. Aber mein Mann denkt und Gott lenkt. Unsere Enkelin lebt ganz bei uns und mit ihr wurde mein Wunsch nach einem Nachzügler auch erfüllt. Inzwischen lebe ich auch auf dem Land, in meinem Häuschen und habe jede Menge Tierleins um mich. Was ja mit einem Mann, der Tiere nicht mag, gar nicht möglich gewesen wäre. Auch damit hatte ich Glück mit meinem Partner, denn wir schwimmen da auf der gleichen Wellenlänge. Zeit zur Weiterbildung in der Malerei hatte ich bisher nicht, aber Malen ist außer allem Lebendigen um mich zu meinem Lebensinhalt geworden. Und das schon seit langer Zeit. Dass ich keine Berühmtheit werde und auch niemals in die Österreichische Geschichte als solche eingehe, ist mir inzwischen klar geworden, hat aber keine weitere Bedeutung mehr für mich. Dies ist aber der einzige meiner Kindheitsträume der nicht in Erfüllung ging.

All dies habe ich niemals als Selbstverständiges angenommen, sondern war Gott und dem Schicksal immer dankbar dafür, dass sich alles so gut für mich ergeben hat. Dazu muss ich aber noch festhalten, dass ich ja niemals von Unmöglichem träumte und für viele der Dinge die gut in meinem Leben bisher waren schwer arbeiten musste. Dies heißt auch: arbeiten an mir! Naja, das Arbeiten an sich selbst hört ja wohl niemals auf und das Träumen ebenso wenig. Gott-sei-Dank! Würde ich nicht mehr träumen und wünschen wäre ich tot.

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3 Kommentar(e)

stefferl, 08.11.2005 23:10

Wünschen und Träumen

Du hast das sehr gut ausgedrückt. Ich habe auch Zeit meines Lebens von vielem geträumt, einiges ist in Erfüllung gegangen. Aber wenn ich auch weiß, das oder jenes kann nicht in Erfüllung gehen, träumen darf ich davon. Ein schöner Beitrag von Dir.

Hombre, 15.12.2005 02:32

kinder träume

Liebe Dolly,

eine wunderschöner teil deines lebens.
auch ich hatte und habe träume so wie viele menschen auf erden. einige konnte ich verwirklichen andere nicht. ich finde, solche träume sind etwas wunderbares und ich möchte diese träume nicht vermissen. arm sind die menschen, die keine wunschträume haben.

es grüßt dich sehr lieb, Hombre

gabi1, 07.08.2007 13:18

kindheitsträume...

... vergißt man nie. einige erfüllen sich früher, einige später und manche verwirklicht man sogar noch im alter.
Schön, dass du deinen unerfüllten wünschen nicht nachweinst, sondern dich über die erreichten ziele freuen kannst.
berührend deine lebenseinstellung:es ist gut, so wie es gekommen ist.
g.

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