Monikas Kindheitsträume

träumendes Mädchen

Als der Krieg zu Ende war, wurden wir von der damaligen Tschechei nach Österreich übersiedelt.

Da meine Eltern die österreichische Staatsbürgerschaft hatten, wurden wir mit noch 3 anderen Familien in einer Baracke untergebracht. Am Abend hat jede Familie ihren Platz mit einer Decke verhängt. Meine Mutter musste alleine mit uns 2 Kindern zurecht kommen. Mir fehlte mein
Papa sehr und ich träumte immer davon, dass er bald zurückkommen und uns da herausholen würde.

Als ich ein wenig größer war, bin ich verschwunden. Alle waren in heller Aufregung, wo ich so plötzlich hingekommen sein könnte? Meine Mutter schluchtzte und mein kleiner Bruder heulte mit, obwohl er nicht verstand, worum es eigentlich ging. Da kam ich an der Hand unseres Pfarrers zurück. "Mein Gott wo warst du denn?" fragte meine Mutter unter Tränen. Da berichtete der Priester, dass ich ganz alleine vor dem Altar kniete und als er fragte warum ich kleines Mädchen ganz alleine in der Kirche wäre, war meine Antwort "Ich muss doch beten und den lieben Gott bitten, daß mein Vati wiederkommt." Der Pfarrer kniete sich neben mich und betete kurz mit mir. Dann strich er mir über mein Haar, schenkte mir ein Heiligenbildchen, fragte wo ich wohne und brachte mich zurück zu meiner Mutter.

Sie schloß mich überglücklich in die Arme und nickte nur als ich sagte "Der Vati kommt doch zurück gel ja." Ich wurde größer und mein Vater war immer noch nicht zurück. Sie sagten, er sei vermisst. Im Sommer lag ich gerne in der Wiese, schaute die Wolken an und bildete mir ein, dass er mir ein Zeichen schicken würde. Nichts habe ich mir sehnlicher gewünscht und ich habe jeden Abend gebetet, dass er wieder zurückkommt.

Aber es ist ein Traum geblieben - er kam nie mehr zurück.

Weiterempfehlen Drucken Quelle: Monika (Userin hiltrun)

2 Kommentar(e)

Marga, 24.07.2009 09:04

Monikas Kindheitstraum

Deine Geschichte hat mich sehr berührt und ich hatte Tränen in den Augen. Eine Geschichte ohne Happy End, hast alles so gut beschrieben.
Du bist eine gute Hobby Redakteurin!!
Marga.

schutzi, 27.08.2010 09:22

Viele Väter kamen nicht mehr zurück

Erst heute habe ich von diesem "Traum" gelesen.
Sehr schön beschrieben, - sicher stellvertretend für viele andere "Kriegkinder". - Wann hören die Menschen auf, Krieg zu führen?! -

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