Wohin mit den rüstigen Alten?

Bild der Entspannung

04.02.2008

Unser User Ernst155 hat den Beitrag 26.03.2004
unseres Hobby-Redakteur M.H. vom 26.03.2004 gelesen und das hat ihn zu einigen Ratschlägen auf der Basis eigener Erfahrungen angeregt.

Warum nicht selbst aktiv werden? Ich hoffe daß der Schreiber des obigen Beitrages inzwischen eine befriedigende Tätigkeit gefunden hat. Auch ich wurde durch unvorhersehbare Umstände aus meiner selbstständigen Tätigkeit frühzeitig mit knapp 60 Jahren in die Pension geworfen. Die im eigenen Geschäft mitarbeitende Frau starb an Krebs, der Sohn übernahm kurzfristig das Geschäft. So habe ich mitgeholfen den Übergang zu schaffen, trotz Pensionierung. Dadurch ergaben sich neue Interessen für mich.
Ich war ins Tullnerfeld übersiedelt und kam gerade in den Boom des Donauradweges. Eine neue Möglichkeit, fehlende Infrastruktur – Privatzimmer fehlten – auszunützen schaffte neue Aufgaben für mich. Eine Tätigkeit, die mit meiner beruflichen Ausbildung überhaupt nichts zu tun hatte. Ich war Handwerker mit Meisterprüfungen und Lehrer gewesen, später im Papier- und Buchhandel tätig. Nun konnte ich mich als Vermieter und hobbymäßig als Fremdenführer betätigen. Schließlich kannte ich mich in Wien gut aus und interessierte mich für die Umgebung meines neuen Wohnsitzes. Das ergab viele interessante Kontakte mit den Gästen, die mich aber bestärkten meine Vorliebe für Wanderungen in den Voralpen wieder aufzunehmen. So versuchte ich mit allen Kräften aus der flachen Gegend wieder in die Berge zu kommen.
Es ergab sich eine Möglichkeit, in die Voralpen in eine landwirtschaftliche Gemeinde zu übersiedeln. Ein Traum ging in Erfüllung. Inzwischen hatte ich eine neue Partnerin gefunden, allerdings unter eher tragischen Umständen. Sie hatte einen Schlaganfall mit Lähmung erlitten. Inzwischen war ich 67 Jahre alt geworden und lernte jetzt ihre Betreuung zu machen. Wieder eine neue Aufgaben die mit meiner früheren Ausbildung nicht das Geringste zu tun hatten. Also wieder einmal umlernen.
Die Gemeinde, in der ich als "Zuagraster“ neue Kontakte aufbauen konnte, hatte eine große Ausdehnung, fünf Katastralgemeinden mit 6 Ortsteilen und durch das Zusammenwachsen dieser zu einer Großgemeinde keine Straßenbezeichnungen und geordnete Hausnummern. Nur Konskriptionsnummern, die in jedem Ortsteil mit 1 begannen. Das machte mir zu schaffen, zumal ich merkte daß Handwerker und Zustelldienste Schwierigkeiten hatten Adressen zu finden. Nur die Postler kannten sich aus. (Ich verstehe heute noch nicht, daß die Post dieses kostbare Wissen nicht wirtschaftlich ausnützt und verkauft. Die Navihersteller wären gute Kunden)
So habe ich begonnen, die Gegend mit einem der ersten GPS-Geräte abzufahren und die Hausstandorte zu vermessen. Dann in eine passende Karte eintragen und diese Karte der Gemeinde und allen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Dabei habe ich im Internet nach Leuten und Institutionen gesucht die so etwas bereits gemacht haben. Feuerwehren in Salzburg und Tirol, in Tirol und Vorarlberg Kontakte gefunden die mir Tipps gegeben haben, weil sie dort abgelegene Almen, z.T. nur mit Hausnamen oder geografischen üblichen Bezeichnungen, kartographiert haben um bei Einsätzen von Blaulichtorganisationen gemeinsame Daten zu haben. Ich bin auf kleine Gemeinden gestoßen, die ihre Hausnummern schon profimäßig umgestellt haben. Diese hatten aber nur wenige Häuser und Straßen zu ändern.
In unsrer großen Gemeinde mit 64Km_ mit über 2000 Einwohnern, über 800 Häuser, 5 Katastralgemeinde in 6 Ortsteilen, 6x die Nummern von 1 bis über 200 vorhanden, keine Straßenbezeichnungen und 2 verschiedene Postleitzahlen war das gar nicht einfach. Alles aus der Gemeindezusammenlegung im 72er Jahr entstanden. Es gibt bei den "Eingeborenen“ viele ortsübliche Bezeichnungen und geläufig verwendete Straßenbezeichnungen die nicht offiziell waren. Durch die bäuerliche Struktur waren Hofnamen gebräuchlich, die von den jetzigen Bewohnern mit anderem Namen trotzdem weiter gepflegt werden.
Durch diese Arbeit habe ich nicht nur unsere Gemeinde bis in die letzen Winkel kennen gelernt. Ich kam mit vielen Leuten ins Gespräch, ich erhielt Tipps und erfuhr Geschichten aus der Gegend. Das war aufbauend, eine Arbeit gefunden zu haben, die mir nicht nur Freude und Freunde brachte, sondern auch sinnvoll war. Plötzlich hatte ich einen Tätigkeit gefunden, etwas für die Allgemeinheit brauchbares zu leisten. RK, Polizei, Ärzte und Lieferdienste hatten plötzlich brauchbare Unterlagen für ihre Aufgaben.
Ich konnte sogar einen Pensionisten in der ebenfalls unübersichtlichen und zerstückelten Nachbargemeinde finden, der ein Gleiches für seine Umgebung leistete. Ich kann nur hoffen daß sich in Gemeinden mit gleichen Problemen einmal Pensionisten, am Besten Eingeborene die dort zur Schule gegangen sind oder immer dort gewohnt haben, finden um ähnliches zu vollbringen.
Es gab schon Debatten mit Städtern, die sich nicht vorstellen konnten daß es in Österreich noch Orte gibt, die nicht "ordentlich“ mit Straßennamen und fortlaufenden Hausnummern ausgestattet sind. Die ländliche Gebiete sind immer noch von dieser Ordnung ausgenommen und die Leute die auf ihr Navi vertrauen werden hier schwer enttäuscht.
Meine Partnerin ist massiv betreuungsbedürftig geworden und ich kann wenig weg. Als Ausgleich habe ich inzwischen die Orthofotos der NÖ-Landesregierung entdeckt, die mir diese Arbeit oftmals vom Laptop aus ermöglichen. Nur bei den abgekommenen Häusern muß ich noch vor Ort nachsehen und bei Neubauten die Daten erfragen, weil die Luftaufnahmen derzeit etwas 3 _ Jahre als sind und daher Neubauten erst verspätet aufscheinen.
Mein Fazit: Man kann sich immer eine Tätigkeit finden, die menschlich befriedigend ist und auch in Fällen wie dem meinen zu machen ist. Wo hätte ich gedacht daß ich mit 78 Jahren einmal Landkarten am Laptop zeichnen werde?? Als gelernter Schneider/Lehrer/Textil-Schnittmacher/ Papier- u. Buch-Händler?
Ein Aufruf an alle, die das jetzt interessiert hat. Schreiben sie mir doch und teilen sie mir ihre Erfahrungen auf diesem Gebiet mit. Ich bin gerne bereit Anfängern in diesem Metier meine Erfahrungen weiter zu geben.
Übrigens: In Amtsdeutsch heißt das "Hausverortung“.

Weiterempfehlen Drucken Quelle: U.

1 Kommentar(e)

SalzburgerEngerl schrieb vor 650 Tag(en) 9 Stunde(n) 25 Minute(n)

Woin mit den rüstigen Alten ?

Meinen Respekt !- Du verbindest mit 78 Jahren eine sicherlich sehr anstrengende Pflege für einen lieben ,kranken Menschen noch mit Deinem "neuen,gefundenen Hobby "- welches vielen Menschen in Deiner Gemeinde und anderswo sicherlich eine grosse Orientierungshilfe sein wird.
Was soll also die Frage : "Wohin mit den rüstigen Alten " eigentlich noch ?--
Sie suchen sich selbst äusserst sinnvolle Beschäftigungen und lernen sogar noch immer weiter.........
Leider kann man das nicht von vielen Pensionisten-Innen sagen- die bevorzugen lieber die Parkbank und gehen einem hinterhältigen ,boshaften Getratsche nach ......das übelste, was es gibt !- Und manche männliche Pensionisten sitzen lieber im Wirtshaus -und am Kartentisch .......erstrebenswert ?- Sicherlich nicht !!--
Also für mich selbst kann ich nur sagen, da ich nun auch schon 76 Jahre werde, dass ich mein LEBEN mit ARBEIT bis jetzt sinnvollst, sozial und auch für "schwächere Menschen " ,die es verdienten, ausgefüllt habe, ich fand immer wieder einen neuen Lebenszweck ,der mich nun im Alter zufrieden sein lässt - innerlich !.-
Bei den nächsten Generationen wird dies, wie man es jetzt schon erlebt, eine -auch für sie selbst- sehr schwierige Angelegenheit werden, bei der falschen Einstellung mancher-siehe Tagesgeschehen !.-
Wünsche Dir weiterhin viel KRAFT und AUSDAUER- vor allem GESUNDHEIT !- auch für Deine kranke Partnerin .-
Der Dank für Gutes wird einem ewig nachschleichen - aber brauchen wir den ?- Es ist schön, wenn man sich selber sagen kann, ich habe doch auch im ALTER- solange es die GESUNDHEIT erlaubte, noch vieles geleistet !.- Und die anderen, die anders denken, können mich sozusagen gerne haben Alles Gute !-

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