Wo ein Wille, da ein Weg: die Geschichte von Anna

Wo ein Wille, da ein Weg!

Ich bin 1938 in St. Leonhard geboren, wuchs mit vier Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf, habe in unserem Ort acht Klassen Volksschule besucht, eine Hauptschule gab es nur sechs Kilometer entfernt in Mank. Diese konnte ich wegen Krankheit nicht besuchen, war mit 9 Jahren 3 Monate im Krankenhaus wegen Rippenfellentzündung und mit 10 Jahren 6 Monate in der Lungenheilstätte Grimmenstein, außerdem musste ich noch einige Liegekuren zu Hause machen. Trotz guter Lernerfolge war ich nur in der Lage die Volksschule zu besuchen. Konnte auch keine Lehre machen, nur als Bedienerin, in Haushalten und später Saison arbeiten.

Habe mit 22 Jahren geheiratet und zwei Söhne geboren und bis meine Söhne 14 Jahre alt waren, war ich nur Hausfrau und Mutter. War im Haushalt voll ausgelastet mit Kochen, Nähen, Stricken (oft mit Wolle von aufgetrennten alten Pullovern). Wir hatten uns nebenbei ein kleines Häuschen gebaut. Mein Mann war Briefträger. Wir haben viele Arbeiten selbst gemacht und auch unsere Eltern und Geschwister haben mitgeholfen, auch die Wohnräume habe ich selbst ausgemalen und später tapeziert.

Im Dezember 1962 sind wir nur mit dem Notwendigsten in das Haus eingezogen, wir freuten uns nun endlich eine eigene Küche und ein Schlafzimmer zu haben und – für damalige Zeiten fast ein kleiner Luxus – ein fast fertiges sehr kleines Bad. Geheizt haben wir mit einem kleinen Zimmerölofen, auf dem wir teilweise auch gekocht haben. Als mein Mann mit 52 Jahren in Pension gehen musste (wegen zwei Hüftoperation), suchte ich mir eine Arbeit in einer Möbeltapeziererei, später dann als Bad-Kassierin bis zur Pension. Ich bin stolz, dass es mir gelungen ist, mit viel Verzicht und Sparen, meine Kinder selbst zu erziehen. Die Söhne sagen immer: "Es ist uns nichts abgegangen.“

Trotz manischer Depressionen, Hüftoperationen und Brustkrebs habe ich den Mut nicht verloren, mache viel Bewegung, Gymnastik, gehe kneippen, zum Tanz ab der Lebensmitte, einmal pro Woche mit Freundinnen zu einer Kaffeehausrunde mit einer Freundin die im Rollstuhl sitzt, wir gehen auch einkaufen mit der Rollstuhlfahrerin. Trotz öfter wiederkehrender Depressionen sowie teilweise starker Schmerzen (Poliatritis und Weichteilrheuma) lass ich mich nicht unterkriegen, pflege und schaue auf mich. Föhne meine Haare und bin zufrieden.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich mit 53 Jahren den Führerschein gemacht habe und beim ersten Mal durchgekommen bin und mit meinem um 12 Jahre älteren Mann Ausflüge machen kann. Wir freuen uns über fünf Enkelkinder, beide Söhne sind bei der Polizei und haben nette Frauen. Ich bin zwar keine Powerfrau aber eine, zufriedene und starke Frau.

Weiterempfehlen Drucken Quelle: Anna Wallner

5 Kommentar(e)

Amicelli schrieb vor 609 Tag(en) 8 Stunde(n) 41 Minute(n)

Einfach..

BRAVO !!

Annemie schrieb vor 565 Tag(en) 6 Stunde(n) 22 Minute(n)

Bravo

ich wünsche Dir weiterhin viel Freude,bei einigen Ausführungen in Deinen Bericht sah ich einige Gleichheiten mit mir ,aber wir sind nun mal stark gruss Annemie

schjkoeha schrieb vor 467 Tag(en) 14 Stunde(n) 52 Minute(n)

Wo ein wille,da ein Weg

Meine herzlichste Gratulation !
Man kann es immerwieder feststellen,aus dem Wenigstens etwas zumachen ist eine Kunst.Und umsomehr freut man sich rückblickend seinen Weg gegangen zusein.
Auch ich kann ein Lied davon singen,was es heisst mit wenig auskommen zu müssen.

Leider habe ich das Pech,daß ich von Geburt einen Hörfehler habe.Aber nicht die Behinderung ist das Malheur,sondern wie man mit dem Menschen umgeht,in der mir jegliche Akzeptanz abgesprochen wurde.

Ich kann nur ein Danke sagen an meine Lehrerin welche wirklich objektive Beurteilungen ausgesprochen hat,was ich bei allen früheren Lehrkräfte sosehr vermisst habe.

Habe im 2.Bildungsweg die Handelsschule nachgeholt und habe mir eine für mich eine Postition erreicht,wovon mich alle meine Kritiker überholt habe.Heute ist man mir neidig.
Aber Neid muss man sich verdienen,Mitleid bekommt man geschenkt.
Viele Grüsse aus enem Mühlviertler (Kleizell im Mühlkreis

Johann Schoissingeyer

mercedes17 schrieb vor 257 Tag(en) 5 Stunde(n) 41 Minute(n)

Danke

...das gibt mir wieder mut---zum weitermachen.
hinter jeder wolke scheint die sonne°

tintinyana schrieb vor 100 Tag(en) 6 Stunde(n) 22 Minute(n)

Wo ein Weg...........

.......auch viele Spuren. Zufrieden zu sein, ziehe ich dem Glücklich sein fast vor (aussuchen kann man es sowieso nicht). Denn das Glück ich wie ein Hauch, schnell wieder vorbei.
Wünsche dir weiterhin viel Kraft und Zufriedenheit.
Trixi

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