Das Martinigansl

Also, die Gänse der Juno trifft man nicht bei der Fahrt durchs Burgenland. An den Weihern und Wasserlöchern, da kann man sie dieser Tage sehen, die nahen Verwandten der Junogänse, unserer Martiniganserl, die Wild- und Graugänse. Mit lautem Geschnatter tun sie der Umwelt kund, wie sehr sie sich des Lebens freuen. Das Geschnatter der Gänse? Da war doch etwas. Richtig: das Geschnatter der Gänse hat einst Rom vor der Eroberung durch die Gallier bewahrt – heißt die Sage.
Mit ihrem Geschnatter haben die Gänse aber auch einmal jemanden
verraten, den Soldaten Martin nämlich, der wegen seines
bescheidenen und sozialen Lebenswandels Bischof von Tours werden
sollte. – Wir erinnern uns an die Geschichte mit der Teilung
seines Mantesl zugunsten eines Bettlers. –
Entgegen seinem eigenen Willen und trotz Vorbehalte des Klerus
drängte das Volk von Tours Martin zum Bischof zu weihen. Asketisch
und bescheiden, wie er sein Leben führte, hielt er sich unwürdig
für solch eine große Verantwortung. Folglich versteckte er sich in
einem Gänsestall. Die Gänse jedoch schnatterten so aufgeregt, dass
Martin gefunden wurde und geweiht werden konnte.
Einer anderen Erzählung nach verwandten die Bürger von Tours eine
List: Sie gingen zu Martins Versteck und baten diesen, seine kranke
Frau zu besuchen. Hilfsbereit, wie Martin nun einmal war, kam der
Bitte nach. Wahrscheinlich sah er ziemlich schmutzig aus –
als habe er eine Zeit lang in einem Gänsestall gelebt. Eine weitere
Geschichte besagt, dass eine schnatternde Gänseschar in den
Kirchraum watschelte, und dabei Bischof Martin bei seiner Predigt
unterbrach. Danach verhielt sich der heilige Martin recht
rachsüchtig, er ließ die verräterischen Gänse zur Strafe
schlachten. Seitdem ist es Brauch, am Martinstage eine Gans, das so
genannte Martinigansl zu braten.
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Quelle: hma












