Neue Studie: Hoher Fleischkonsum senkt Lebenserwartung

Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm

10.01.2017

Eine neue Studie aus Schweden weist nach, dass hoher Fleischkonsum die Lebenserwartung deutlich senkt – unabhängig davon, wie viel an gesundheitsfördernden Lebensmitteln wie Obst und Gemüse sonst noch gegessen wird. In einem Beobachtungszeitraum von 16 Jahren war die Sterberate bei Personen, die durchschnittlich 117 Gramm Fleisch pro Tag aßen – das entspricht in etwa zwei Wurstsemmeln oder einem Schnitzel –, um 21 Prozent höher als bei Personen mit niedrigerem Fleischkonsum.

Das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) rät daher zu einer deutlichen Reduktion des Konsums von rotem Fleisch und insbesondere verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurst und Schinken auf maximal zwei bis drei Portionen pro Woche.

Wissenschafter der Medizinischen Universität Karolinska Institutet in Stockholm untersuchten über einen Zeitraum von 16 Jahren bei 74.645 Personen unterschiedlicher Altersstufen die Auswirkungen des Fleischkonsums auf die Lebenserwartung.[1] Dazu erhoben sie zu Beginn die Ernährungsgewohnheiten dieser Personen und unterteilten sie je nach der Durchschnittsmenge an täglich konsumiertem Fleisch in 5 Gruppen.
"Am Ende des Beobachtungszeitraums stellte sich heraus, dass die Sterberate in der Gruppe mit dem höchsten Fleischkonsum (über 117 Gramm pro Tag) um 21 Prozent höher lag als bei der Gruppe mit dem niedrigsten Fleischkonsum (unter 46 Gramm pro Tag)“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des ÖAIE. "Insbesondere Todesfälle durch kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall traten bei Personen mit hohem Fleischkonsum deutlich häufiger auf.“

Obst und Gemüse können negative Effekte von zu viel Fleisch nicht ausgleichen

Ebenfalls im Rahmen der Studie wurde untersucht, ob die Aufnahme von Obst und Gemüse die negativen Auswirkungen von hohem Fleischkonsum ausgleichen könne. "Hier kamen die Studienautoren zu dem Schluss, dass das eindeutig nicht so ist: Die erhöhte Morbidität und Mortalität war bei allen Personen mit hohem Fleischkonsum gleichermaßen gegeben“, sagt Widhalm. "Das heißt also: Zwei Wurstsemmeln oder ein Schnitzel am Tag reichen aus, um eine statistisch deutlich geringere Lebenserwartung zu haben. Unabhängig davon, ob man sich sonst gesund ernährt und viel Obst und Gemüse isst.“

Empfehlungen des ÖAIE: Fleischkonsum deutlich reduzieren und gesundheits­politische Maßnahmen andenken

Das ÖAIE empfiehlt, den Fleischkonsum deutlich zu reduzieren und stattdessen mehr gesundheitsfördernde Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fisch und Vollkornprodukte zu essen. "Pro Woche sollten maximal zwei Portionen frisches rotes Fleisch wie Rind, Schwein oder Lamm gegessen werden. Verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst und Schinken sollten – wenn überhaupt – nur ein Mal wöchentlich konsumiert werden, und auch das nur in geringem Ausmaß von maximal 50 Gramm“, sagt Widhalm. "Alles, was darüber hinaus geht, ist erwiesenermaßen gesundheitsschädlich.“ [2]
Gleichzeitig fordert das ÖAIE, auch auf gesundheitspolitischer Ebene gegen nachweislich krankmachende Lebensmittel wie etwa Fleischprodukte und Fast Food vorzugehen. "Die WHO fordert bereits seit Jahren, gesetzlich bindende Maßnahmen wie Werberestriktionen umzusetzen. Eine entsprechende Resolution wurde bereits 2010 von 192 WHO-Mitgliedsstaaten unterzeichnet – auch von Österreich.[3] Es ist eine Schande, dass in Österreich nach wie vor Millionen für die Fleischwerbung ausgegeben werden, aber kein Cent für nachweislich wirksame gesundheitsfördernde Maßnahmen und Forschung“, so Widhalm.


Das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE)wurde 1996 auf Initiative des damaligen Präsidenten der Ärztekammer, Prim. Dr. Michael Neumann, mit dem Ziel gegründet, Ärztinnen und Ärzte im Fach der Ernährungsmedizin fortzubilden. Das ÖAIE ist interdisziplinär ausgerichtet und vereint unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm Expertinnen und Experten aus den Bereichen der Medizin, Psychologie, Ernährungswissenschaften, Diätologie, Sportwissenschaften und Nahrungsmittelproduktion. Als führende Fortbildungs- und Forschungs-Institution für Ernährungsmedizin in Österreich richtet es regelmäßig wissenschaftliche Veranstaltung aus und publiziert vierteljährlich das "Journal für Ernährungsmedizin".

Weitere Informationen unter: www.oeaie.org

[1] Andrea Bellavia, Frej Stilling, and Alicja Wolk: High red meat intake and all-cause cardiovascular and cancer mortality: is the risk modified by fruit and vegetable intake?,ajcn.nutrition.org

[2] Studie zu gesundheitsfördernden und gesundheitsschädlichen Lebensmitteln: Dariush Mozaffarian: Dietary and Policy Priorities for Cardiovascular Disease, Diabetes, and Obesity: A Comprehensive Review;circ.ahajournals.org

[3] WHO Resolution WHA63.14: www.who.int, Update 2016: dx.doi.org

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7 Kommentar(e)

2015, 10.01.2017 12:39

???

Stirbst früher, bist länger tot

ruben, 10.01.2017 15:01

Studien

sind Verallgemeinerungen.
Für die Einzelperson gelten so viele Faktoren der Lebensweise relevant für die Lebenserwartung, dass der Fleischkonsum dabei untergeordnete Rolle spielt.

Fleischesser sind zum Beispiel eher sportlich veranlagt und sterben früher bei Sportunfällen oder Folgeschäden derselben.

Seth3, 10.01.2017 16:47

Fleisch Konsum

Sterben müssen wir alle früher oder später. Diese Studien machen Menschen nur nervös.

wonnepropen, 10.01.2017 17:05

Fleschkonsum...

ich denke nicht, daß der Fleischkonsum schlechter ist als viel Gemüse ,welches auch konventionell mit Kunstdünger gedüngt wird, Bio, ( ist nicht immer glaubwürig im Geschäft) kann sich ja nicht jeder leisten, ob Fleisch oder Gemüse, Studien sind auch Statistiken und in jede Richtung beeinflußbar, ganz gesund können wir ja doch nicht sterben, oder?

nassersepperl, 10.01.2017 19:05

Fleischkonsum

Fleischkonsum in der heutigen Zeit ist sehr wohl schädlich. Was da alles an Fleischmüll gegessen wird ist ja unglaublich. Diese grausliche, nur auf Profit ausgerichtete, Tierproduktion ist ein Verbrechen. Und was noch dazu kommt, dieses minderwertige Fleisch wird ja schon täglich gegessen. Wurst und Hamburger kommen noch dazu, die Kinder werden schon mit den minderwertigen Lebensmittel vergiftet.
Wenn Fleisch, dann einmal in der Woche, Sonntags zum Beispiel wie in meiner Kindheit und dann aber Biofleisch. Das kann man sich sehr wohl leisten, man muß das halt wo anders einsparen-statt teure Limonaden Wasser aus der Leitung trinken oder kein Geld für Zigaretten ausgeben, nicht jedes Jahr ein neues Handy oder sonst was, zum einsparen gibt es immer was, nur nicht bei den täglichen Lebensmittel. Eltern müssen Kindern schon ein Vorbild sein und es gibt da das wirklich richtige Sprichwort:
DER MENSCH IST; WAS ER ISST:
Liebe Grüße Helmut

lockavomhocka, 11.01.2017 16:05

nasserseppel

du musst hier neu sein.

nassersepperl, 11.01.2017 16:20

lockavomhocka

Ja, ich bin neu hier.

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